Die Neuentdeckung von Berlin, nebst einigen Gedanken zu Filmen

OK, dies wird einer der seltenen Befindlichkeitsposts. Ich leide nämlich gerade unter einer richtigen Flut von Impulsen, was ich gerne mal tun und mit wem ich mich gerne mal treffen würde. Scheint mir fast, daß ich gerade all die faszinierenden Kontexte, die Berlin zu bieten hat, neu entdecken könnte, wenn der Tag denn mehr als 24 Stunden hätte und ich keine anderen Verpflichtungen hätte.

Nehmen wir nur mal die Kontexte, mit denen ich in meiner Freizeit zu tun habe, zusätzlich zum Chor: Zum einen ist da mein Gothic-Stammtisch. „Meiner“ eigentlich nicht mehr, obwohl ich ihn mal gegründet habe – ich habe die Verantwortung dafür vor einem Vierteljahr abgegeben, um Platz für anderes im Leben zu schaffen; ohnehin hat sich bei mir eine gewisse Entfremdung von der Gothicszene breitgemacht. (Von der Musik, der man dieses Label aufpappt, mag ich nach wie vor vieles. „Schwarz“ weggehen ist bei mir jedoch selten geworden.) Dann gibt’s den monatlichen Heidenstammtisch im Excalibur. Da sind einige Leute dabei, die ich mag, prima Gefachsimpel über Heidnisches ohne abgehobene Esoterik und das Excalibur ist eine echte Wohnzimmerkneipe, zwar mit einer eher grundlegenden Getränkekarte, dafür ist das Bier billig und die Musik so dezent, daß man sich prima unterhalten kann. Es gibt Strick- und demnächst vielleicht auch Spinntreffen – stricktechnisch reizt es mich nicht so sehr, aber mich mal mit anderen Spinner_innen treffen, Techniken austauschen, fachsimpeln und Garne bestaunen, das würde mir in der Tat Spaß machen. Zu einer der zahlreichen Veranstaltungen von Ubuntu Berlin (außer den Release Parties – die kollidieren gerne mit heidnischen Feiertagen) würde ich ebenfalls gern mal gehen. Ich habe es zu deren Stammtisch noch nicht geschafft; und die bieten darüber hinaus immer wieder interessante Veranstaltungen, nicht nur die Ubuntu Release Parties. Und ich mag die c-base. Und dann gibt’s da noch die Berlin Femme Mafia. Irgendwie ist ja das Thema femme für mich noch nicht durch – ich hätte Lust, mich mit anderen aus dem Bereich zu vernetzen, vielleicht gibt es da Verbündete.

Und zu all den Kontexten und spannenden Leuten, die ich da draußen wittere, kommt noch die Ideenflut für Rezensionen, Artikel, Handarbeitsprojekte und und und… Mag jemand meine „Jemand müßte mal“-Liste sehen? Soll ich die mal posten, ja? Wenn ich könnte, würde ich gerne jemandem was von meiner Kreativität abgeben. Vielleicht ist die wie eine Quelle, die um so mehr hergibt, je mehr man daraus schöpft. Mich zwischen all dem zu entscheiden und das zu finden, was mir am meisten gibt, das fällt mir gerade so gar nicht leicht. Ich meine, irgendwann will ich in meiner Freizeit ja auch mal einfach rumgammeln und mich erholen.

Für heute abend habe ich mir vorgenommen, Avatar nochmal zu gucken. In Englisch und 3D. Ich mag nämlich Filme gern im Originalton. Ein fließendes Hörverständnis habe ich nur in Englisch und (na klar) Deutsch, doch wozu gibt es Untertitel? Der Originalton bringt oft eine ganz andere Atmosphäre, die Charaktere wirken durch ihre Stimmen und ihre Artikulation schärfer gezeichnet. Zum Beispiel in „Ghost in the Shell“, durch das ich mich gerade gucke1: Major Motoko Kusanagi hat auf Japanisch einen ganz anderen Biß als die deutsche Synchronisation, die auf mich irgendwie zu zahm und ordentlich wirkt. Dasselbe Phänomen traf mich bei „Star Trek: The Next Generation“, wo ich Captain Jean-Luc Picard erst begriff, als ich Patrick Stewarts unglaublich präzise Dikition hörte; in der deutschen Synchronisation fehlt dieser Biß. Filmfreunde unter meinen Leser_innen: Ist das ein Phänomen, mit dem man bei Synchronisationen immer leben muß?

  1. besten Dank an meinen Bruder für die Leihgabe

2 Kommentare

  1. Geschrieben am 16. Januar 2010 um 14:11 | Permalink

    Hideliho!

    Mr. Steward ist sprachlich eine echte Sensation. Diese exzellent deutliche Aussprache und den grandiosen Ausdruck kann man unmöglich in der Übersetzung rüberbringen.

    Ja, ich habe auch den Eindruck, dass der Originalton sehr viel näher am Charakter ist. Mal ganz abgesehen davon, dass manche Synchronstimme einfach unpassend ist, scheinen mir gerade die englisch-sprachigen Filmemacher sehr gerne mit den unterschiedlichen Akzenten und ihren Konnotationen zu spielen. Das kann man auf Deutsch gar nicht übersetzen. Zwar haben wir auch unsere diversen Akzente, mit denen man da arbeiten könnte, aber das würde einfach lächerlich wirken. Stellt Dir mal vor, der Canadier würde plötzlich schwäbeln, der Ami Bayerisch reden und der Aussi sächseln… 😉

    Zu den Ideen und Projekten: ja, das kenne ich auch. Sowohl im Rahmen meiner Selbständigkeit als auch privat. Vor allem muß ich mich dann immer dazu zwingen, weniger zu planen und neue Projekte zu ersinnen und dafür mehr einfach mal umzusetzen… 😉

    LG Ansgar

  2. ryuu
    Geschrieben am 17. Januar 2010 um 14:23 | Permalink

    Jepp, das mit den Akzenten/Dialekten ist interessant. In anglophonen Filmen taucht ja auch regelmäßig ein „Dialect Coach“ im Abspann auf. OK, wenn es Kunstsprachen wie Sindarin oder Na’vi zu lernen gibt, wird der wohl eher anderes zu tun haben…

    Im Fall von Avatar ist, wie ich jetzt im Vergleich festgestellt habe, die Synchronisation wirklich gut, IIRC waren die Stimmen gut getroffen, aber Colonel Miles Quaritch wirkte auf Englisch noch ein bißchen fieser. Und der Satz „I didn’t sign up for this shit“ ist auch was ganz anderes als „Ich mache diesen Scheiß nicht mit“.