Wohnungsunlust

Eimer auf einer Baustelle Bild: sxc.hu Eigentlich ist mit meiner Bude alles in Ordnung. Die Bausubstanz ist für BJ 1903 gut in Schuß, ich habe mich mit der Nordlage angefreundet, Heizung und Warmwasser tun prima (und die 2004 eingebaute Zentralheizung ist recht sparsam), der Vermieter ist fair und wenn etwas ist, reagiert die Hauswärtin gleich. Sogar mit dem Kiez habe ich meinen Frieden gemacht, verkehrstechnisch liegt es prima, Einkaufssituation war zwar schon mal besser, ist aber verkraftbar. Vor allem sind meine Nachbarn absolut und 100% in Ordnung. Wenn mir nicht irgendwas zustößt, was mich dazu bringt, aus Berlin wegzuziehen, will ich da schon bleiben, eine neue Wohnung in Berlin zu finden, ist ja nun nicht unbedingt ein Zuckerschlecken.

Aber: Der Zustand meiner Bude. Gnagnagna. Zum einen: Renovierung. Die Wände gehören wirklich mal gestrichen und im Grunde die Dielen neu versiegelt, im Wohnzimmer sogar neu abgezogen. Für letzteres habe ich dann aber doch gerade nicht die Zeit und das Geld. (Als ich vor gut zehn Jahren einzog, habe ich sie selbst abgezogen: ich sah eine Woche lang aus, daß es der Sau grauste, vor lauter Holzstaub in den Haaren, der gar nicht mehr rausging.) Die Fensterrahmen1 könnten mal wieder eine neue Lackierung vertragen, vor allem auf der Außenseite. Und auf meinem Balkon hinterließen meine Vormieter mir kurioserweise eine alte Kloschüssel, die offenbar mal als Blumentopf zweckentfremdet wurde. Darum, dieses Monstrum zu entsorgen, habe ich mich bisher gedrückt.

Nun habe ich ewig nicht mehr renoviert. Beim Einzug beschränkte sich das darauf, die allzu heruntergekommenen Türen zu streichen, die (schwarzen) Dielen abzuziehen und den fensterlosen Flur wieder von dunkelblau auf weiß zu bringen. Wände neu weißen wird auf jeden Fall ein Muß sein, aber was ist darüber hinaus Pflicht, und was muß nicht unbedingt sein?

Zum zweiten: Die Elektrik. Ich habe ja nun einen gar nicht so kleinen Gerätepark, von dem vieles miteinander vernetzt ist, aber viel zu wenige Steckdosen, die sich im Wohnzimmer zu allem Überfluß beinahe alle auf einem Fleck befinden. Dadurch zentriert sich alles, was irgendwie Strom benötigt, in dieser einen Ecke. Seit der Sanierung 2004, als hier im Haus Zentralheizung und bei mir endlich ein Badezimmer mit WC2 eingebaut wurde, ist mein Wohnzimmer nicht mehr 100% schön geschnitten. Ich habe also meine Sachen so hingepfercht, wie es in die Ecken paßte und ich die nötige Stromversorgung zurechtfummeln konnte. Habt Ihr, liebe Leser_innen, eine Idee, wie ich die ungute Steckdosensituation verbessern könnte, ohne gleich einen Elektriker beauftragen zu müssen? Oder unsichere Konstruktionen wie „wir verketten einfach mal drei Mehrfachsteckdosen“ anfangen?

Zum dritten: Das Mobiliar. Das meiste davon ist uralt und entsprechend abgefitschelt, ein bedeutender Anteil (teilweise noch ziemlich gut) ist geschenkt und zwar eigentlich wertvoll, aber nicht unbedingt etwas, was ich mir heute, wenn ich es mir meine Einrichtung komplett aussuchen könnte, in die Bude stellen würde. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Damals konnte ich die Sachen gut brauchen, das Geld war knapp, und deshalb schaute ich geschenkten Gäulen nicht ins Maul. Und ich bin dankbar, daß ich z.B. ein Sofa oder einen Kleiderschrank geschenkt bekam, als ich mir gerade keins leisten konnte, aber gerne eins gehabt hätte. Heute finde ich meine Einrichtung ungemütlich. Weniges möchte ich einfach ersatzlos loswerden, vieles würde ich aber am liebsten durch Dinge ersetzen, die mir wirklich gefallen und die vor allem nicht derart improvisiert und zusammengewürfelt wirken. Für manches, z.B. meine Musikanlage, hätte ich gern eine Lösung aus einem Guß. Manches kommt mir allzu schwer und behäbig und massig vor, und ich hätte es gerne leichter, beweglicher.3 Und überhaupt möchte ich gerne in einer Wohnung leben, die ich gestaltet habe, die nicht nur eine Ansammlung von Notwendigkeiten und Providurien4 ist.

Es ist halt immer noch nicht soviel Geld da, daß ich ohne weiteres mal einen Tausender oder zwei oder drei in die Hand nehmen und alles einrichten könnten, wie ich wollte. Verglichen mit den existenziellen Dingen wie dementen Angehörigen oder herben Gesundheitsproblemen, mit denen sich Freunde von mir gerade herumschlagen, ist mein latenter Wohnungsfrust wohl eher trivial. Trotzdem gehört es gerade zu so einer Art verspätetem Erwachsenwerden, daß ich mir dieser Tage sage: Die Zeit der studentischen Provisorien ist jetzt vorbei, ich bin auch nicht mehr bettelarm, und ich kann mir jetzt mal ein Zuhause gönnen, in dem ich mich wirklich wohl fühle.

  1. strafverschärfend: Doppelkastenfenster! Fensterputzen ist jedesmal ein Spaß!
  2. Ofenheizung war ja erträglich, aber das Außenklo hat echt genervt!
  3. bei allem Ankommen im Erwachsenenzustand möchte ich nicht unbedingt einen massiven Hausstand ansammeln wie ein Freund von mir, der als Single einen Haushalt wie eine Kleinfamilie hatte. Ich habe mehrere von seinen Umzügen mit-erlitten.
  4. ein Provisorium, das unversehens zum Dauerzustand mutiert ist, der Begriff wurde geprägt in: Sascha Lobo, Kathrin Passig: Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin

4 Kommentare

  1. Geschrieben am 10. Februar 2010 um 09:26 | Permalink

    Ich habe eine wunderschöne, kleine, aber nicht zu kleine Wohnung in hübscher Umgebung – aber eines Deine Probleme kenne ich auch: Die Elektrik. (DER Altbauwohnungsklassiker!) Erst gestern den Elektriker im Haus gehabt (von der Wohnungbausgenossenschaft beauftragt, weil es in Nachbarwohnungen Probleme gab), der gute Mann ist über die Resultate jahrzehntelanger Improvisation fast verzweifelt.

  2. Goja
    Geschrieben am 10. Februar 2010 um 11:20 | Permalink

    Ich habs so gemacht:

    Als erstesmal feststellen welche Sicherung für welche Steckdosen zuständig ist. Also alle bis auf eine rausdrehen, gucken wo Strom ist: Lampen in Steckdosen stecken, Licht einschalten. Und dann die nächste Sicherung bis auf alle anderen rein usw. Ganz wichtig Keller und sonstige Räume nicht vergessen!

    Der Bereich, den eine Sicherung abdeckt sollte mit 16 Ampére abgesichert sein. Weiter angenommen, die Spannung bei dir beträgt 230 Volt, dann hast du maximal 3680 Watt zur verfügung. Maximal, ich würde lieber ein wenig darunter bleiben. Oft kommt auch noch 220 Volt von den Ummspannwerken, was den Wert auf 3520 Watt Leistung veringert.

    Jetzt „nur“ noch die Leistung aller Geräte eines Bereiches zusammenzählen und du weisst wie sehr du dir Sorgen machen solltest. 😉

  3. Geschrieben am 10. Februar 2010 um 11:21 | Permalink

    Sind die Dielen nur mit Holzwachs versiegelt? Wenn ja, dann kannst Du des mal mit Osmo Holzwachs-Politur versuchen. Das ist eine Art Reinigungsmittel, dass man bei jedem 3-4ten Wischen verwenden kann, und in dem auch Holzwachs und so drin ist. Dadurch gehen kleine Kratzer und Gebrauchsspuren verdammt gut weg und die Oberfläche wird gehärtet.

  4. ryuu
    Geschrieben am 10. Februar 2010 um 11:31 | Permalink

    Oh, danke für den Tip mit Osmo, Ansgar. Der Boden im Wohnzimmer hat allerdings einen Wasserschaden, den bei der Sanierung unachtsame Handwerker angerichtet haben. Das ist damit eigentlich eine Angelegenheit des Vermieters.

    @Goja: Da muß ich wohl ein paar Wattzahlen rauskriegen, danke für die Anleitung. Wenigstens war Elektrotechnik der Teil von Physik, in dem ich in der Schule was mitgekriegt habe. Das andere habe ich durch einen schrägen Schulwechsel zwischen Bundesländern mit verschiedenen Lehrplänen verpaßt.

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  1. […] März 3, 2010 at 8:30 pm Wo ich letztens über meine Wohnungsunlust bloggte… Bild: ipernity / nottiestyle Vor gut zwei Wochen war ich (als Ausgleich für […]