Instrumentenkundliches zur Vuvuzela

OK, ein kleines bißchen werde ich hier der versprochenen Fußballfreiheit untreu. Aber immerhin – es geht in diesem Post nicht um die Rundballschubserei, sondern ganz staubtrocken um Instrumentenkunde, jawohl!

Die Fans bei den WM-Spielen bekunden ihre Begeisterung nämlich auf einem wenn auch simplen, so doch Musikinstrument – und nicht mit Tröten aus der Dose, wie man sie aus hiesigen Stadien kennt. Es ist sogar möglich, auf einer Vuvuzela Melodien zu spielen. Einfach ist es allerdings nicht! Denn es handelt sich dabei um eine Naturtrompete, ein Instrument, das einen festen Grundton hat, der durch die Länge des Rohres vorgegeben ist. Außer diesem Grundton lassen sich auf einer solchen Trompete durch Überblasen nur die Töne der Naturtonreihe hervorbringen: Naturtonreihe - cc-by-sa: Wikimedia Commons CC-by-sa: Wikimedia Commons Erst in einer sehr hohen Lage nehmen die Abstände zwischen den Tönen also Ausmaße an, mit denen überhaupt Melodien spielbar sind. Da die Naturtonreihe mit der heute üblichen gleichstufigen Stimmung nicht übereinstimmt, muß der/die Spieler_in das über die Lippenstellung korrigieren. Bis weit ins 18. Jh. hinein waren übrigens Trompeten immer Naturtrompeten. Die heute übliche Trompete mit Ventilen wurde (nach Versuchen mit Grifflöchern und Klappen) erst 1813 erfunden.

Die Vuvuzela gehört (wie übrigens auch die mittelalterlichen Zinken, die oft aus Holz oder Horn gefertigt waren, das Serpent und das Alphorn) in die Familie der Blechblasinstrumente, obwohl sie aus Plastik gefertigt wird. Ihre enorme Lautstärke verdankt sie eben dieser Verwandtschaft samt der trompetentypischen Spielweise, die Musiker des Berliner Konzerthauses in diesem Video demonstrieren (Vorsicht Lachkrampfgefahr):

3 Kommentare

  1. Geschrieben am 26. Juni 2010 um 23:16 | Permalink

    wechschmeiss danke Thursa! Nu weiß ich wenigstens, dass meine Vorstellung, wie eine Vuvuzela funktioniert, tatsächlich richtig war 🙂

  2. Geschrieben am 27. Juni 2010 um 20:13 | Permalink

    Angeblich bekommt jeder 2., der es versucht, keinen Ton aus der Vuvuzela. Ein Glück …

  3. ryuu
    Geschrieben am 27. Juni 2010 um 22:11 | Permalink

    Ach ja, es gibt sogar ein Konzert für Vuvuzela in B. Die Vortragsanweisung „insistendo quasi le vespe“ – zu deutsch etwa: „beharrend wie Wespen“ – gefällt mir besonders gut.

Ein Trackback

  1. By Ja gut, aber … » Trötungsdelikt on 12. Juli 2010 at 19:12

    […] Instrumentenkundliches zur Vuvuzela ist im Internet inzwischen zuhauf zu lesen (vgl. z. B. Newswertig und ryuus hort). […]