Aus dem Gleichgewicht

Ich halte dieser Tage die Klappe. Also zumindest hier. Warum? Bloggen hat gerade nicht so die Priorität, obwohl in meinem Hirn zig Ideen gären. Der Grund: ich fühle mich aus dem Gleichgewicht.

Es kostet mich Überwindung, ganz alleine auf mich aufzupassen: daß ich gesund und regelmäßig esse, daß der Kühlschrank mit dem richtigen Zeug gefüllt ist und das Zeug nicht verdirbt, daß der Haushalt einen Zustand beibehält, in dem ich mich auch wohl fühle, daß ich Sachen im Schrank habe, die ich auch anziehen mag. Vor allem aber ist mir eins aus dem Blick geraten: Mich genug zu bewegen. Das fiel oft genug hintenrunter, weil so viel anderes zu tun war, dann eine verdammte Anfälligkeit für Erkältungen (mit Infekt im Leib mag ich nicht trainieren), sitzende Tätigkeit, wo ich oft genug in eine Art Starre falle und vergesse, daß ich ja ab und zu mal aufstehen wollte, ab und zu was trinken wollte, …

Für meine Bürokratie zu sorgen und meine Arbeitspflichten einigermaßen zu erfüllen, dazu treibt mich witzigerweise mein Pflichtbewußtsein ohne Gnade. Aber für diese Selbstfürsorge reicht die Disziplin dann nicht mehr; Disziplin scheint mir ja überhaupt eine endliche Ressource zu sein.

Jetzt hat mich die Büroarbeiterkrankheit “Rücken” ereilt. Im Studium ging das noch: da trieb ich zum einen recht viel Sport; zum anderen saß ich nicht nur hinter meinem Schreibtisch, sondern war viel unterwegs, hier ein Bibliotheksbesuch, da eine Recherche außerhalb, Seminare, Vorlesungen – eine einzige Fahrerei und Lauferei. Zwei Jahre 40-Stunden-Woche im Büro und zu wenig Zeit für Sport haben meine Rückenmuskeln jedoch so degenerieren lassen, daß ich total verspannt bin – so verspannt, daß die Brustwirbelsäule blockiert ist und sich das auf den gesamten Brustkorb auswirkte. Das Resultat waren neben Verspannungen, die fast schon Hintergrundgeräusch sind, Anfälle von Beklemmungen und Atemnot, die mir mitunter Todesangst eingejagt haben. Nun ist das Ganze, nach ein paar schmerzhaften Handgriffen von einem Physiotherapeuten, schon gebessert, aber noch nicht ganz weg und die Ursache – meine geschwächte Rückenmuskulatur – zu beheben, wird notwendig machen, daß ich mich dauerhaft umstelle. Daß ich vor allem der Bewegung, die ich ja eigentlich auch liebe, obwohl ich total aus dem Training bin, mehr Raum verschaffe. Laufen ist schwierig bei dieser Hitze, aber Schwimmen werde ich jetzt kultivieren. (Auf daß ich auch bald wieder die 1000m am Stück schaffe und vielleicht im Herbst 1500.) Und Singen und Gitarre kommen dieser Tage auch total zu kurz 🙁

Mag sein, daß dieser Eintrag den Knoten zum Platzen bringt und ich danach wieder mehr schreibe, wie schon so oft geschehen. Kann aber auch sein, daß ich tatsächlich mal eine ganze Weile hier wenig Neues zum Besten gebe. Da sind ohnehin noch ein paar Anfragen von anderen Blogs, die ich liebend gern bedienen würde (und die ich nur angenommen habe, weil ich diese Projekte toll finde).

Ach, und bitte keine Rat-Schläge oder Mitleidsbekundungen jetzt: ich krieg das schon wieder hin. Nur manchmal muß ich die Prioritäten geraderücken.

Ein Trackback

  1. […] nicht nur Essays hier abzuladen – sofern es hier paßt. Es gibt derzeit eine Menge, was mich auf Trab hält. Oder lähmt, je nachdem. Deshalb geht’s hier – und mit dem Buch – auch nur […]