FAWM 4+5: instrumental & pseudo-gregorianisch. Nebst einer Zwischenbilanz.

Über die Hälfte des FAWM ist jetzt vorbei. Stand der Dinge: 6 Stücke erledigt (mit einer Kollaboration, die noch in der queue hängt, wo ich aber meinen Part schon abgeliefert habe), 8 to go. Nachdem ich am Mittwoch gewagt habe, ein für mich anspruchsvolles Instrumentalstück aufzunehmen – Zwei Saiten – und am Donnerstag ein Stück Pseudo-Greogrianik, das mir schon mindestens eine Woche im Kopf herumging – Regina Coelorum – , einfach mal aufgenommen habe, ist irgendwie das Eis gebrochen. Es gibt zwar Sachen, wo ich noch an den Lyrics knapse, doch auch da zeichnen sich (wenn auch noch langsam und mühselig) Lösungswege ab.
Was ich daraus lerne: Ja, die alte Weisheit, daß Kunst zu 10% Inspiration und zu 90% Transpiration ist, ist wahr. Und das ist gut! Denn das besagt auch: Inspiration muß nicht alles tragen. Je mehr „Handwerk“ ich beherrsche, desto leichter weiß ich, wie ich meine Ideen umsetzen kann. Und ja, Songschreiben ist auch Handwerk: ich darf bewährte Rezepte und Strukturen verwenden. Je mehr davon ich zur Verfügung habe, je genauer ich eigentlich Rechenschaft darüber ablegen kann, was ich da tue (und ein Schritt in diese Richtung ist, ein ‚Vokabular‘ zu haben), desto mehr Spielmaterial hat meine Kreativität; desto besser kann ich einer Idee aber auch den Hintergrund schaffen, vor dem sie glänzen kann, desto mehr Energie bleibt für das tatsächlich Kreative.
Natürlich, wenn ich es drauf anlegte, ambitionierte Kunst zu machen, dann müßte das Verhältnis „Schema F“ zu origineller Eigenleistung stimmen. Aber in einem Projekt wie FAWM, wo es ums kreative Saurauslassen geht und in meinem jetzigen Stadium, wo ich in das Handwerk erstmal einsteige, da darf ich auch mal hemmungslos unoriginell sein. Nicht daß ich befürchten würde, meinen bisherigen Kreationen würde es an Originalität mangeln.
Das andere, was ich lerne, bzw. eigentlich reaktiviere: eine neue Art des Musikhörens. Ich kehre im Moment zu ganz alten Sachen zurück – frühe Iron Maiden, Accept, Judas Priest -, und ich höre neue Musik mit anderen Ohren. Ich höre darauf: Wie ist ein Song gemacht? Wie ist er aufgebaut, welche Strukturen nutzt er, welche rhythmischen Muster, Baßlinien, harmonischen Progressionen? Nicht daß ich das alles immer so hundertprozentig raushören könnte.
Drittens lerne ich auch technisch. Nicht nur, was das Homerecording angeht (ich habe etwa in den letzten zwei Wochen einiges über Effektplugins gelernt), sondern auch instrumental. Ich fange z.B. an, Hydrogen als Drumcomputer zu verwenden, um dazu zu spielen – ich, die ich mich lange für eine rhythmische Analphabetin gehalten habe. Das fühlt sich übrigens ganz anders an, als mit Metronom zu üben. Ich habe mich in Rekordzeit mit dem Plektrum angefreundet und Fortschritte mit dem Fingerpicking gemacht, die mir ohne dieses genaue Wissen, was ich damit anfangen will, nicht möglich gewesen wären. Meine Barrégriffe sind so langsam nicht mehr immer im ersten Anlauf unsauber und abgedämpft. Und so ganz langsam überwinde ich auch meine Scheu vor dem Mikrofon. Ja, aufnehmen hat mich vor FAWM immer riesig Überwindung gekostet, ob Ihr mir das glaubt oder nicht!
Will also sagen – es hat sich gelohnt, mich dem Wahnsinn zu verschreiben.

Ich kann mich übrigens über einen Mangel an Ideen nicht beschweren. Eher über zuviele Bruchstücke, die unverbunden in meinem Kopf rumschwirren und alle um Aufmerksamkeit betteln wie eine Horde quengeliger Kleinkinder. Und ich habe dann die schwere Aufgabe, mich für eine zu entscheiden, an der ich arbeiten will.

3 Kommentare

  1. caroona
    Geschrieben am 18. Februar 2011 um 21:24 | Permalink

    Wow, bei Regina Coelorum laufen mir echt die Tränen. Super ergreifend.

  2. ryuu
    Geschrieben am 18. Februar 2011 um 22:44 | Permalink

    whoa… das ist toll, das zu wissen. Also nicht, daß Du weinen mußt, aber daß es Dich berührt. Das ist es, wofür ich am Ende (neben meiner eigenen Freude daran) Musik mache.

  3. Geschrieben am 24. September 2011 um 01:03 | Permalink

    … „eine neue Art des Musikhörens“ … das habe ich erlebt, als ich an meinem Neue Musik Werk gesessen habe, meiner „Tritonusfuge“. Auf einen Schlag habe ich nach Fertigstellung Paul Hindemith komplett verstanden. Quasi mit einem Pakenschlag. Seit dem finde ich seine Musik einfach nur schön, genial und überhaupt.

    Es wird viel zu wenig über Musik geblogt, fällt mir das gerade auf!

    Herzliche Grüße

    Markus aka Musix