FAWM Blogging II: Kleine Helferlein

Bin ich altmodisch, wenn Papier und diverse Schreibgeräte (Bleistift, Kugelschreiber, Füller, Tintenroller…) in meinem kreativen Prozeß eine große Rolle spielen? Egal: sie tun es. Beim Notenschreiben sind Papier und Bleistift jedem Computerprogramm haushoch überlegen, was Geschwindigkeit und Flexibilität angeht. Gerade, wenn ich „handwerklich“ vorgehe und mehr konstruiere als aus dem Bauch heraus zu erfinden, brauche ich diese Flexibilität; und da ich Noten fast lese wie andere Leute gedruckten Text, denke ich auch oft in musiktheoretischen Zusammenhängen und in Notenschrift. Eine Herangehensweise, für die die (mir zugängliche) Software nicht ausgelegt zu sein scheint. Aber auch Textverarbeitungsprogramme wirken auf mich unter Umständen eher kontraproduktiv. Es ist alles so ordentlich auf dem Bildschirm, so linear. Meine Kreativität dagegen mag eine gewisse Unordnung. Ich muß unter Umständen erst einmal wild durcheinander schreiben können, bevor das knochige Gerüst des Konzepts das nötige sinnliche Fleisch ansetzen kann, mit Worten, Bildern und Metaphern ausgestattet und lebendig wird. Darum hier meine wichtigen nicht-digitalen Helfer:

  • Notenpapier. Da bin ich eigentlich anspruchslos, aber zu klein dürfen die Linien nicht sein. Für jeden Songentwurf verwende ich ein neues Blatt, darum ist es auch nicht so riesig wichtig, daß möglichst viel auf das Blatt paßt.
  • Bleistift – bevorzugt 2B oder B – weichere Bleistifte machen dunklere, besser lesbare Linien, und spitz muß er sein. Nützlich ist auch die Bleistiftverlängerung – ein Teil, das es erlaubt, auch kleine Stummel bis zum bitteren Ende zu benutzen. Leistet mir beim letzten Überbleibsel meines geliebten 5B-Bleistifts gute Dienste. (Ganz davon abgesehen, daß so eine Bleistiftverlängerung eine unglaublich coole altmodische Optik hat.)
  • Radiergummi. Ja, wenn ich mir etwas anders überlege, und das tue ich beim „Denken in Notenschrift“ oft, ist der unentbehrlich. Damit ich auch mal ein einelnes falsch gesetztes Vorzeichen entfernen kann, habe ich auch einen Radierstift.
  • Ein Lineal für Taktstriche in Arrangements, die zwei Systeme oder mehr notwendig machen. OK, bis dato schreibe ich hauptsächlich Gitarrenzeug, aber wer sagt, daß da nicht noch ein Chorarrangement kommt.
  • Schreibgeräte. Text schreibe ich am liebsten mit Füller, wenn ich den nicht zur Hand habe, auch Tintenroller. Kuli dagegen ist Not-Schreibgerät, weil er einen gewissen Druck erfordert. Tintenroller und Füller gleiten ohne Druck über das Papier und lassen mich ermüdungsfreier und schöner schreiben. Ich bevorzuge den Füller, weil er sich nicht so durchdrückt wie der Tintenroller, das heißt: ich kann Papier beidseitig beschreiben. Nicht so wichtig, wenn ich etwa auf den Rückseiten von alten Uni-Kopien schreibe, doch wenn ich das Heft, das ich mir extra für den FAWM besorgt habe (damit ich alle Entwürfe an einem Ort habe), benutze, dann spielt das durchaus eine Rolle.
  • Stimmgabel und Kapodaster haben mit dem Schreiben an sich eher nichts zu tun. Den Kapo mag ich, weil er meiner Gitarre eine andere Klangfarbe gibt – und den Bereich der Tonarten, die ich spielen kann, um einiges erweitert. Ist z.B. ein Lied eigentlich in A-Dur geschrieben, H-Dur singt sich für mich aber angenehmer – Kapo auf den zweiten Bund, fertig. Und die Stimmgabel – die ist nicht nur Chorleiters Geheimwaffe, sondern auch unverzichtbarer Referenzton zum Gitarrestimmen. (Nach Gehör stimme ich – noch – schneller als mit dem integrierten Stimmgerät meines H 4-N.)

Bisher notiere ich tatsächlich weniger, als ich vor dem FAWM gedacht hätte. Aber trotzdem, kein Notenpapier in der Nähe zu haben, macht mich nervös.

Ein Kommentar

  1. Geschrieben am 24. September 2011 um 01:07 | Permalink

    hm, ich gerate förmlich in Kommentierwut. Aber egal.

    Ja, das innere Hören leitet alles. Der Computer kann wegen seiner eingrenzenden Weise sogar sehr hinderlich beim Komponoieren sein. Wie Scheuklappen. Bei rein elektronischer Musik ist das natürlich anders, aber bei Gitarrenmusik oder wie bei mir, mit Klaviermusik, ist der Computer eher Gift.

    Ich nutze Ihn viel, den Comp, allerdings eher für nachträglichen Notensatz oder für Aufnahmen oder sonstige Spielereien. Wenn bald die Elektronik Einzug in mein Schaffen erhält sieht die ganze Kiste natürlich wieder ganz anders aus.

    Grüße

    Markus aka Musix