Ein neuer Blick auf lilypond

Ich habe ja hier und da immer wieder bemängelt, daß Lilypond so überhaupt nicht intuitiv sei. Und war eigentlich immer auf der Suche nach einem grafischen Interface dafür. Das hat sich jetzt geändert.

Vor ein paar Wochen wollte ich schnell mal einen neuen Song in Noten setzen. „Schnell mal“ ist bei mir jedoch immer nahe an famous last words, und so auch diesmal: MuseScore stürzte mir auf dem Bastelrechner (inzwischen mit Debian Squeeze bestückt) ab, Denemo ebenso, und extra das Netbook anzuschmeißen, hatte ich keine Lust. Also sagte ich mir „F*ck you!“ und schlug einmal mehr meine Zähne in lilypond. Diesmal mit dem Ansatz „ich schreibe from scratch und will wirklich verstehen, was ich da fabriziere“. Offensichtlich hat es, abgesehen von diesem Ansatz, auch für Markupsprachen etwas gebracht, daß ich mich kürzlich intensiver mit Python auseinandergesetzt habe. Zumindest ist wohl ein Quentchen programmiererisches Denken hängengeblieben, und diesmal kam ich bis zu diesem Killerfeature: Stücke durch Bezeichner organisieren. Das gab mir endgültig einen Schubs, mich doch mal intensiver mit lilypond auseinanderzusetzen.

Warum von Hand coden? Weil es auch nicht länger dauert, als in der jeweiligen Software mit GUI das Feature ausfindig zu machen, das ich brauche (z.B.: Wie notiere ich einen Auftakt). Einen Befehl eienr Markupsprache verstehen zu lernen, braucht vielleicht genauso viel Zeit, nervt mich aber weniger als in einem Programm nach dem richtigen, öfter mal gut versteckten Menüeintrag zu suchen. Und ich habe damit ein anderes Gefühl von Kontrolle. Und es ist stabil. Der Code enthält nur das, was ich drin haben will, dadurch bleibt das Ganze schlanker und weniger fehleranfällig. Der Nachteil ist halt: es ist absolut nicht intuitiv, und es wird ziemlich schnell unübersichtlich, wenn ich den Code nicht gut mit Kommentaren dokumentiere.

Wenn man mal in den Dateien wühlt, die so mitinstalliert werden, ist einiges an Dokumentation dabei. Nur hundertprozentig übersichtlich ist das nicht. Da gibt es einmal das Handbuch und dann noch einmal eine Einführung. Kommen dann noch die snippets dazu, d.h. fertige Bausteine und Vorlagen für alle Lebenslagen, dann wird das schnell etwas verwirrend. Aber nun ja, Notenschrift an sich ist ja auch ein komplexes System, das durchaus inkonsistent gebraucht wird und m.E. nicht sooo einfach durch Markup abzubilden ist.
Ja, und jetzt bin ich ja auch versucht, mich in LaTeX einzuarbeiten, weil das, nach allem, was ich bisher gelesen habe, mit Lilypond recht gut zusammenspielt. Und wie immer in letzter Zeit habe ich auch was dazu in ein entsprechendes github-repository gepackt. Disclaimer: Notensatzprogramme mit grafischer Oberfläche haben absolut ihre Berechtigung. Mein derzeitiger notenbezogener Workflow kommt nur prima ohne zurecht.

Ein Kommentar

  1. Geschrieben am 29. Juni 2011 um 15:32 | Permalink

    Hi, ich kenn mich mit Lilypond nicht wirklich aus (aus Neugierde ausprobiert) aber ich fand http://wiki.lilynet.net/index.php/Guide_for_the_Absolute_Beginner dabei ziemlich hilfreich.

    Gruß, Andreas