Gesehen: Baikonur

Ganz spontan war ich gestern mal im Kino und ich habe mal keinen Hollywoodschinken gesehen, sondern einen gerade angelaufenen deutschen Film. Baikonur heißt das gute Stück, und es handelt von einem jungen kasachischen Schrottsammler und einer Weltraumtouristin.

Die Geschichte: Iskander lebt in einem winzigen Hirtendorf etwas östlich vom Kosmodrom Baikonur. Die Leute dort leben nicht nur von Schafen und Kamelen, sondern auch davon, abgeworfene Teile von den Raketen, die in Baikonur starten, aufzusammeln und gewinnbringend zu verwerten (kein ungefährliches Unterfangen). Der junge Mann, der einzige im Dorf, der ein altertümliches Funkgerät bedienen kann, trägt den Spitznamen „Gagarin“ – er träumt von den Sternen und insbesondere von der Weltraumtouristin Julie. Deren Reise zur ISS verfolgt er denn auch fasziniert im Fernsehen und an seinem Funkgerät. Bei Julies Rückkehr geht etwas schief, ihre Landekapsel landet nicht im vorgesehenen Gebiet, sondern in der Nähe von Iskanders Dorf, wo sie von Iskander gefunden und zu ihm nach hause mitgenommen wird. Zu allem Überfluß hat sie ihr Gedächtnis verloren. Iskander nutzt das schamlos aus und gibt sie als seine Verlobte aus, was natürlich zu Verwicklungen führt.

Vorsicht, nach dem Link kommen evtl. ein paar Spoiler…
Ein realistisches Drehbuch ist anders. Das muß nichts machen, doch die Story wirkt manchmal allzu surreal und die Wendungen bemüht. Die Charaktere bleiben leider recht eindimensional. Der Schluß hat mich ein wenig ratlos zurückgelassen, insgesamt ergab die Story keinen schlüssigen Spannungsbogen. Dafür, daß eine Komödie einen so sympathischen Helden aufbaut, war das Ende mir ein wenig zu resigniert.
Der Spacegeek in mir entdeckt eine Menge Unkorrektheiten. Etwa, daß Julie allein zurück zur Erde fliegt, daß sie noch am Abend vor dem Start zur ISS mit jemandem ißt, der nicht ihrer Crew angehört (normalerweise sind Astronauten mindestens eine Woche vor dem Start in Quarantäne), oder daß sie als Weltraumtouristin für Außenbordeinsätze trainiert. Darüber hätte ich hinwegsehen können, wenn die Handlung ansonsten glaubwürdiger wäre oder aber es wagen würde, deutlich mehr ins Phantastische zu gehen.

Alles in allem ein Film, den man sehen kann, aber nicht sehen muß. Ich habe mich trotz der Schwächen amüsiert. Es gibt eine Menge Soyuz-Raketen zu sehen (auch einen Start), die Bilder sind schön und die Musik ebenfalls. Und ob Kamelmist wirklich ein so unglaublich vielseitiger Werkstoff ist, wüßte ich echt mal gerne.

Ein Kommentar

  1. ulk
    Geschrieben am 11. Oktober 2011 um 18:49 | Permalink

    Baikonur