FAWM Blogging, Folge 1: Unperfekt

tl;dr: ryuu ärgert sich über begrenzende Faktoren in Sachen Aufnehmen, ist mit dem Songschreiben nicht so schnell, wie sie gerne wäre, fühlt sich außerhalb ihrer Komfortzone unbehaglich und läßt die Hosen runter mit einem unperfekten Kanon.

FAWM hat angefangen und ich ärgere mich ein bißchen rum.
Ich merke nämlich, daß gerade bei meiner Singstimme ein anständiger Mix riesig was rausholen kann. „Trocken“ aufgenommen klingt so ziemlich jede Singstimme doof. Die reine Lehre der (digitalen) Tontechnik – soweit ich das bisher mitbekommen habe – sagt: Nimm in einem eher trockenen Raum auf, damit nicht der Umgebungsschall auf dem Mikro landet, sondern der Schall von Instrument/Stimme. Da meine Stimme in höheren Regionen großen Schalldruck entfaltet, muß ich den Pegel, bei dem aufgenommen wird, gehörig runterdrehen, zumindest, wenn ich plane, meine zweigestrichene Oktave zu benutzen. Das klingt dann ohne weitere Bearbeitung erstmal zu leise, glanzlos, unter Umständen auch dumpf. Das macht eigentlich nichts, denn: „Zum Leben erweckt“ wird das Ganze dann mit Verstärkung und Effekten. So der Plan.

Denn da ist bei mir der begrenzende Faktor (neben Nerven und noch sehr lückenhaftem tontechnischem Wissen) der Computer. In dem Fall das Netbook aka Büchlein, auf dem Desktop hab’ ich das Studio-Setup noch nicht so weit. Wenn ich mehr als zwei Spuren in Ardour mit meinem Lieblings-Hall-Plugin, dem TAP Reverberator, belege, fängt es an zu ruckeln und zu stottern. Von Kompressor- und EQ-Plugins mal ganz zu schweigen. Ich muß mal gucken, ob das auch auftritt, wenn ich einen anderen Desktop benutze (vielleicht ist GNOME einfach zu ressourcenhungrig), oder wenn ich andere Hall-Plugins verwende.
Zurück zu Audacity mag ich nicht, das streikt, wenn ich mehr als eine Spur mit dem H4n als Eingangsgerät aufnehmen will (bzw. hat es getan, als ich das das letzte Mal versucht habe) und damit gescheit Effekte reinmischen ist ein Schmerz im Allerwertesten. Jetzt, wo ich mich einigermaßen dran gewöhnt habe, finde ich Ardour schon komfortabler.

Immerhin: Gestern habe ich mehr zufällig rausbekommen, wie ich eine Stimme akustisch “näher ran” holen kann (mit Hall klingt sie erstmal „weiter weg“), und ich habe da ein paar Ideen, wie ich das in Zukunft einsetze, ohne daß ich sofort ins Übersteuern gerate.

Tja, und eigentlich mag ich mich nicht so viel mit der Tontechnik rumschlagen, ich würde mich viel lieber aufs Musikmachen konzentrieren.

Vielleicht entstehen die nächsten Stücke erstmal nur mit dem H4n, ohne Computergefummel. Gitarre, Stimme, fertig, aus. Oder vier Monospuren a cappella und basta, Abmischen am Computer auch nur so, daß man’s anhören kann, fertig ist die Soße. Soll ja nicht plattenreif sein, es geht ja um die Songideen.

Wo ich auch gewaltig unsicher bin, ist zum einen die Gitarre – sobald ich da auch nur ein Metronom laufen habe, klappt schon sehr viel weniger, als wenn ich das ohne Timing machen muß – und zum anderen überhaupt Musizieren mit von außen vorgegebenem Timing, sei es nun ein fertiger Backingtrack, Drumcomputer oder – ganz schlimm – ein nackter Klick. Da werde ich sofort so verkrampft und linkisch, das ist schrecklich. In den klassischen Settings, die ich gewöhnt bin, funktioniert das mit dem Timing anders, ohne daß ich den Finger drauf legen kann, wie. Und irgendwie sitzt es mir immer noch in den Knochen, daß früher immer so auf meiner angeblichen rhythmischen Schwäche rumgeritten wurde. (Inzwischen weigere ich mich ja, das zu glauben: ist wie mit dem Rechnen.)
Und einen Ton treffen zu was, das aus den Kopfhörern kommt, fällt mir auch schwer. Vielleicht bräuchte ich auch nur einfach bessere Kopfhörer: die billigen, die ich besitze, die gut schließen, drücken aufs Ohr und das wirkt sich ungünstig auf die Stimme aus.

Es ist ein bißchen unbehaglich, an so vielen Stellen zu merken, was ich alles (noch) nicht kann, oder wo ich unsicher bin. Nun ja, gerade dazu ist FAWM für mich da – mich aufs Glatteis zu wagen, neue Dinge zu probieren, und im Idealfall ist die Unsicherheit die Spannung des noch Unbekannten, Nervenkitzel eben.

Und darum wag’ ich’s jetzt und präsentiere mein erstes FAWM-Werk: einen Kanon, getextet und komponiert in knapp einer Stunde, aufgenommen am Wochenende. Die Aufnahme ist alles andere als perfekt, rhythmisch eiere ich ganz schön rum, meine Kontrapunktlehrer würden angesichts des Tonumfangs die Hände vors Gesicht schlagen und meine Gesangslehrerin hätte einiges dazu zu sagen, wie ich da singe. Plus die oben beschriebenen tontechnischen Hindernisse. Ich hoffe, $mensch hört, was gemeint ist und er macht Euch trotzdem Spaß.

Noten gibt es dazu auch, die kommen bei Gelegenheit nach.

Und immerhin, auch wenn ich angesichts dessen, daß Karan, Duke, Sven und die Wurzelfrau loslegen wie nix gescheites, irre langsam fühle: Letztes Jahr hatte ich (wenn ich mich recht erinnere) um diese Zeit noch keinen Song veröffentlicht. Mal sehen. Vielleicht finde ich ja einen Weg, wie das mit dem Aufnehmen nicht mehr immer gefühlte Ewigkeiten dauert.

Ein Kommentar

  1. Geschrieben am 5. März 2012 um 22:55 | Permalink

    puh krass, deine klassische Gesangsstimme. Das haut rein :) Das passt ja auch wie die Faust aufs Auge, voll sauber getroffen die Töne.

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