Update in eigener Sache: Jobsuche. Nebst einer Liebeserklärung an mein Studium.

Und erstens kommt es anders,…

Ich bin nun doch schon zum 1.12.2012 arbeitslos. Lange Geschichte, aber am Ende sind die Begleitumstände so für mich sogar günstiger. Und ich suche dementsprechend was Neues. „Was mit Internet“ würde ich sagen, aber da mich die Leute immer nach Branchen fragen: Online-Redaktion, Online-Marketing, PR und Social Media kann ich mir vorstellen. Aber vielleicht ist es ja auch ganz anderes, wo ich genau die richtige Person wäre.

Wohin will ich? Irgendwo zwischen Freiburg im Breisgau, Frankfurt am Main und Saarbrücken. Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg, Mannheim, Freiburg, Saarbrücken und natürlich meine Geburtsstadt Karlsruhe, nur um mal ein paar Orte zu nennen, an oder in deren Umfeld denen ich gerne leben würde.

Was kann ich? Als Germanistin bin ich Generalistin. Ich habe im Studium keinen Wert darauf gelegt, reines Faktenwissen ins Hirn zu lernen (ich weiß, wo ich das nachlesen kann, wenn ich es brauche, und ohnehin ist Germanistik kein „Paukfach“). Statt dessen habe ich mich darauf gestürzt, das Schreiben zu lernen. Ich habe Germanistik studiert, weil mich das Erzählen interessiert hat, und im Studium auch bald das Interesse an abstrakteren Teilen der Geisteswissenschaften entdeckt. Ich habe mir im zweiten Semester die Zähne am Thema „Der Körper bei Judith Butler“ ausgebissen, mich am Anfang meines Hauptstudiums in die Semiotik verguckt und etwas später in die Narratologie; ich habe ausgiebig motivgeschichtlich gearbeitet und mich am Ende an der Bachofen-Rezeption in einem späten Hauptmann-Roman abgearbeitet.

Und trotzdem: Klassiker sind geil, keine Frage, aber die zeitgenössische Hochliteratur hat mich dann doch nicht so interessiert. Literatur interessiert mich da, wo sie alternative Welten entwirft. Es braucht meistens entweder das oder eine gute Portion „sense of wonder“, um mich am Lesen zu halten. Deshalb lese ich gerne Science Fiction und Fantasy, Gattungen, die die Literaturwissenschaft, die ich erlebt habe, in Deutschland immer noch als Schund abqualifiziert.

In der Musikwissenschaft habe ich noch spannenderes Zeug gemacht: Schönbergs Theorie der Tonalität in seiner „Harmonielehre“, Musik im Horrorfilm, die Stimme bei Diamanda Galás, Quellenforschung an Bela Bartóks „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“, musiksemiotische Analysen einer instrumentalen Bach-Fuge und das Spannungsfeld zwischen Satanismus, Rechtsextremismus und Musik waren so ein paar Dinge, mit denen ich mich befaßt habe. Meine mündliche Magisterprüfung ging über die Wandervogel-Bewegung, barocke Affektentheorie und Musiksemiotik (ja, ich kann David Lidovs Theorie von der Musik als Geste auch mit zwei Glas Rotwein hinter der Binde erklären). Auch da gab es eine bemerkenswerte Distanz zu allem auch nur entfernt „Populärmusikalischen“.

Was ich aber wirklich im Studium gelernt habe, war, mit Informationen umzugehen, wissenschaftlich zu recherchieren, Informationen in Beziehung zu setzen und zu strukturieren und Texte zu analysieren. Ich habe wohl auch ganz passabel schreiben gelernt. Ich habe mich jedes Semester in irgendetwas Neues eingelesen, und ich habe gelernt, Projekte auch unter widrigen Bedingungen zu organisieren. Wären die Begleitumstände nicht so beschissen gewesen, ich würde sagen: Ja, studieren war geil, und ich liebe meine Fächer. Was nicht heißen soll, daß ich nicht auch gerne noch mehr Blicke in die Philosophie, Anglistik, Nordamerikanistik und in die Mediävistik geworfen hätte.

Und wie kam ich dann ins Onlinemarketing? Die ganze Onlinesache hat mich ja schon im Studium schwer begeistert, dann habe ich ein Praktikum in meinem Jetzt-Noch-Betrieb gemacht und bin dort hängengeblieben. Irgendwie wollte ich nach dem Studium nur raus aus der Universität, wo ich viel zu lang abgehangen hatte.

Nebenbei habe ich mir, seit ich 2001 in den Topf mit dem HTML gefallen bin, so allerhand Computerkram beigebracht und mache das Digitalzeug von CSS schubsen über Bild- und Audiobearbeitung bis git richtig gerne. Ich habe kein Papier, wo draufsteht, was ich in der Beziehung alles kann, ich bin keine Entwicklerin, ich kann Outlook nicht ausstehen, ich habe nie mit Dreamweaver gearbeitet (überhaupt, WYSIWYG geht für mich gar nicht) und ich habe bisher immer ohne Powerpoint präsentiert (meistens reichte mir eine Mindmap, und das letzte Mal, als ich es mit Präsentationssoftware versuchte, streikte sie just, als ich sie brauchte), aber ich weiß, wo auf einem Computer mein Handtuch ist. Und ich habe recht früh aufgehört, bestimmte Software zu lernen, sondern mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich damit machen will. Auch, weil ich keine Lust auf Tricksereien hatte, um mir illegal oder semilegal kommerzielle Software zu beschaffen, die ich nicht hätte bezahlen können, habe ich irgendwann angenfangen, lieber freie Alternativen zu verwenden.

Da ich bisher ohne Auto lebe und auch keinen Führerschein habe (nie gebraucht, komme eigentlich sehr gut ohne klar), möchte ich erst einmal irgendwo leben und arbeiten, wo ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad klarkomme (irgendwann mache ich auch noch einen Führerschein, aber nicht, solange ich in Berlin wohne).

Und warum schreibe ich das alles hier? Weil hier das Blog ist, in dem ich freier von der Leber weg schreiben kann, als ich das auf XinG oder so täte. Ich schreibe das hier, weil ich mir das irgendwie von der Seele schreiben will (wer weiß, vielleicht veröffentliche ich diesen Eintrag gar nicht oder verpasse ihm ein Paßwort).

2012 war bisher kein so tolles Jahr, die Zornesfalten auf meiner Stirn sind ein gutes Stück tiefer geworden und auch meiner Gesundheit hat dieses Jahr nicht gut getan. Es wäre total cool und awesome, wenn dieses Jahr noch ein gutes Ende hätte, ich das Ruder rumreißen kann und endlich ein Zuhause und einen Job finde, wo ich mich wieder wohl fühle.

2 Kommentare

  1. John
    Geschrieben am 26. November 2012 um 09:27 | Permalink

    Ui, Karlsruherin – kleine Welt. So ernsthaft kreativ und wissend in Bezug auf Arbeitsplätze bin ich nun wirklich nicht… aber wir haben hier ja den Technologie-Park mit ganz vielen nerdigen Sachen – da wirst du an manchen Stellen womöglich gebraucht 🙂 Sag bescheid, wenn du aus Berlin weggezogen bist – ich kenne lauter Mythen, dass es Ex-Berliner woanders nicht lang aushalten 😀

  2. ryuu
    Geschrieben am 26. November 2012 um 12:10 | Permalink

    Ob und wie gut ich es außerhalb von Berlin aushalte, wird sich zeigen – aber so eigentlich komme ich ja nicht von hier…

    Jetzt bin ich jedenfalls überzeugt, daß ich nicht auf dieses Großstadtbiotop angewiesen sein will. Fühlt sich so eingeschränkt an. Und ich kenne eine, die richtig aufgeblüht ist, seit sie aus Berlin weggezogen ist. Also mal sehen, wie’s dann sein wird, kann ich nicht sagen.