Wie ich mir einen Action-/Fantasy-/Science Fiction-Film wünschen würde

@baum_glueck bringt mich immer wieder auf interessante Gedanken… heute hatten wir diese Unterhaltung:

Ich liebe ja, wenn ich mal Filme gucke, Action-Blockbuster. Wenn ich ins Kino gehe, darf gerne geprügelt und geballert werden. Die Special Effects-Abteilung darf ruhig reichlich zu tun haben. Und ich mag Fantasy und SF. Ich mag Filme, deren Welten nicht so funktionieren wie unsere alltägliche. Ich mag Schwertgeschwinge, Kampfkunst und Zauberei, ich mag Rumgefliege mit Raumschiffen.

Ich erwarte, wenn ich ins Kino gehe, meistens keine Weltverbesserung und meistens komme ich mit dem Gehalt an alltäglicher Kackscheißeden üblichen Normen in Filmen so halbwegs klar. Was mich aber immer wieder frustriert, sind zwei Dinge: Erstens die totale Heteronormativität dieser Filme. Ich bin fast schon erleichtert, wenn in einem Film mal keine Lovestory vorkommt oder die Lovestory nur eine winzige Nebenrolle spielt. Und zweitens: In diesen Genres ist der Anteil der Filme, die den Bechdel-Test bestehen, gefühlt nahe null. Es kommen kaum Frauen vor, und wenn, dann scheinen sie nur für Männer zu existieren, nur über männliche Figuren zu reden, überhaupt keine eigenständige Existenz und keine eigenen Interessen zu haben.

Hier mal ein Versuch, ein paar unsortierte Ideen auszuformulieren, was für Filme ich gern mal sehen würde bzw. was für Romane ich gern mal lesen würde:

  • Ich wünsche mir nicht nur ein oder zwei starke Frauenfiguren pro Film, sondern Frauen, die ein von Männern unabhängiges Leben führen – manifestiert wäre das z.B. in Frauen, die Namen haben, miteinander reden und das nicht nur über Männer.
  • Ich wünsche mir Filme, in denen Protagonist_innen lesbisch/bi/schwul/queer/asexuell sind, ohne daß das Hauptthema des Films ist. Selbiges gilt auch für trans*, „ohne Liebesbeziehung leben“ und nicht-normative Familienstrukturen (und das fängt im Bereich Filme schon bei sog. „Patchworkfamilien“ an).
  • Ich wage kaum zu träumen von Filmen, in denen mal Figuren mit uneindeutigem, wechselndem oder sonst nicht-normativem Geschlecht vorkommen (und das gleichzeitig nicht Hauptinteresse der Handlung ist). Dabei böten Fantasy und SF reichlich Möglichkeiten für solche Figuren.
  • Ich wünsche mir Filme, die es wagen, kulturelle wie physische Fremdartigkeit (gegenüber dem, was weiße Europäer_innen und US-Amerikaner_innen als vertraut und alltäglich zu sehen gewohnt sind) nicht als Horror oder Exotik darzustellen und bei „sympathischen Aliens“ nicht einfach eurozentrische Klischees wie z.B. das vom „edlen Wilden“ anzuwenden. Ein besserer „Avatar“-Film wäre für mich z.B. einer gewesen, wo die Beziehungsmodelle unter den Na’vi nicht hetero, monogam und auf Dauer angelegt sind oder einer mit einer erkennbar matrilinearen Gesellschaft. Es wird dann natürlich anstrengender, Träger_innen einer solchen Kultur für ein Mainstream-Publikum als Sympathieträger_innen darzustellen, aber ich fände das mal extrem reizvoll. Phantasie muß dafür übrigens nicht sonderlich bemüht werden: allein schon in der europäischen Antike finden sich jede Menge Gesellschafts- und Familienmodelle, die sich von unseren ‚Normzuständen‘ ganz gravierend unterscheiden.
  • Elves of Color! Ich mag Tolkiens Elben (vor allem die im „Silmarillion“!), aber die sind alle so weiß.
  • OK, führt aus dem Bereich „Popcornkino“ heraus: Ich mag es, wenn Gut und Böse ein bißchen weniger binär sind – in dem Punkt finde ich „A Song of Ice and Fire“ recht reizvoll, weil da alle mehr oder weniger Arschlöcher sind, alle glaubwürdige Motive haben und gerade „die Guten“ mit ihren Aktionen ziemlich viel Unheil heraufbeschwören, umgekehrt auch ein paar Figuren, die miese intrigante Schweine sind, gleichzeitig unheimlich rocken. (Es gibt auch jede Menge Zeug, was ich an „A Song of Ice and Fire“ bzw. an der Serie „A Game of Thrones“ nicht mag oder anstrengend finde, aber dieses moralisch Nichtbinäre gehört nicht dazu.)
  • Mal Fantasy ohne Monarchie. Ja, erfordert Phantasie, aber wäre mal reizvoll.

Was Literatur angeht, fällt mir schon einiges ein, was in einigen dieser Punkte schön ist: z.B. einige Romane von Ursula K. LeGuin („Planet der Habenichtse“ und „Das Wort für Welt ist Wald“) oder, auf eine ganz andere Weise, David Webers „Honor Harrington“-Reihe (die IMHO echt mal jemand verfilmen sollte, könnte eine schöne Hard SF-Serie sein). Aber bei Filmen hapert’s noch ganz gewaltig.

4 Kommentare

  1. Geschrieben am 12. Januar 2013 um 22:25 | Permalink

    Ja ja ja ja ja ja ja ja! 🙂

    Und das gebe ich gern zurück mit den guten Ideen!

  2. Geschrieben am 12. Januar 2013 um 22:38 | Permalink

    Ich glaube ich stoße mich nur an der Zeile hier: „Ich wünsche mir Filme, die es wagen, kulturelle wie physische Fremdartigkeit (gegenüber dem, was weiße Europäer_innen und US-Amerikaner_innen als vertraut und alltäglich zu sehen gewohnt sind) nicht als Horror oder Exotik darzustellen“ Glaub, die Fremdartigkeit kommt ja gerade daher, dass sie deart exotisiert wird … ist also etwas was sich gegenseitig beeinflusst.

  3. ryuu
    Geschrieben am 12. Januar 2013 um 22:54 | Permalink

    Guter Gedanke, das. Also wenn so ein Film eine Kultur jenseits der gewohnten/von den meisten Zuschauer_innen akzeptierten Norm als total selbstverständlich darstellen würde, dann vermutest Du, daß das eben gar nicht als „exotisch“ rüberkäme?

  4. Geschrieben am 12. Januar 2013 um 23:23 | Permalink

    Ja.Ich denke, ein Film erzählt ja auch immer eine Geschichte des als ,,Norm Akzeptierten“. Wir gucken mal diesen, mal jenen Film an und sehen immer wieder ein wenig ,,ver-rückte“Bilder dessen, was den Protagonist*innen als Handlungsmöglichkeiten miteinander und in ihrer Welt gesetzt ist. In so Action- und Fantasyblockbustern ist das natürlich wieder viel starrer. Da ist die Heirat zwischen zwei verschiedenen ,,Rassen“ Mensch und Elf was Owie-Besonderes. In der urbanen Komödie wiederum kann die Inszenierung wieder so ablaufen, dass zum Beispiel die Beziehung weißer und Schwarzer Menschen überhaupt nicht zum Thema wird … also eben der Gedanke, den du ansprachst mit: LBGTIQ darstellen, ohne es zu was Besonderem zu machen.

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