Mein Senf zum Thema #shelfies

Eigentlich bin ich bisher nicht mit dem Phänomen „shelfies“ – Selbstportraits vor Bücherregalen – in Berührung gekommen. Dann las ich letztes Wochenende einen tumblr-Post von Distelfliege zu diesem Thema und hatte spontan das Bedürfnis, meinen Senf dazu abzulassen.

Voilà: Das bin ich mit dem dieser Tage meistgebrauchten Teil meines Bücherregals.

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Das ist eine täuschende Auswahl, denn ich habe noch ein zweites Bücherregal, in dem auch ein paar theoretische Sachen stehen.

Aber zunächst mal: Wozu und wann lese ich? Ich lese meistens zur Entspannung und zum Vergnügen. Oder beim Warten. Auf Reisen. In öffentlichen Verkehrsmitteln (auf längeren Fahrten). Das heißt nicht, daß ich nicht auch u.U. anspruchsvolle Sachbücher lese. Bücher, die wirklich anstrengend zu lesen sind, landen jedoch eher nicht auf meinem Bettlektüre-Stapel.

Eine Sache, bei der ich Distel zustimme: Warum sollte bestimmte Literatur mehr wert sein als andere? Mir wollte schon im Germanistikstudium nicht einleuchten, warum ein Krimi oder eine Space Opera „weniger wert“ sein soll als „Hochliteratur“. Dieser Genredünkel frißt mich, wo ich ihm begegne, ziemlich an. Und genauso wenig leuchtet es mir bei Sachbüchern ein. Warum sollte die Bourdieu-Gesamtausgabe weniger ideellen Wert besitzen als etwa ein Regal voll handwerklicher Anleitungsbücher?

Das mit dem Heidnischen Zeug™ in meinem Regal ist noch einmal eine spezielle Sache. Hierzulande landen Bücher zu solchen Themen im Buchhandel ja, wenn überhaupt, dann in der Kategorie „Esoterik“, und das ist ganz klar ein Wissensgebiet, das oft abgewertet, wenn nicht gar tabuisiert wird. Ich selber stehe vielem, wenn nicht dem meisten, was unter „Esoterik“ vermarktet wird, kritisch gegenüber, es bereitet mir aber Bauchschmerzen, wenn Interesse an nonstandard spiritualities taugt, um eine Person zu denunzieren oder zu diskreditieren, und zwar egal, ob die fragliche Person sich für Dynamische Meditation, Satsangs, Feng Shui oder rekonstruktionistisches Heidentum interessiert. In meinem Bücherregal steht relativ viel davon, sehr viel davon auf englisch. Die meisten dieser Bücher habe ich gekauft, weil es sie entweder nicht in Bibliotheken zu leihen gibt und/oder weil ich sie dauerhaft zur Verfügung haben will. Viele davon gibt es nicht auf deutsch. Es ist schlicht auch ein Gebiet, das mir wichtig ist und auf dem ich mich als Aktivistin verstehe (es gibt für meinen Geschmack einfach viel zu wenig queere Stimmen in diesem Themenbereich; etwas, das ich ändern will). Und darum kultiviere ich auch diese kleine, feine Handbibliothek.

Und eine weitere Frage, die sich mir aufdrängt: Warum sollte die Wissensproduktions-Art „Buch“ wertvoller sein als Wissen, das in anderen Medien transportiert wird – Videos, Podcasts, Internettexte, Computerspiele? Obwohl ich Bücher liebe und zum Haus meiner Träume eine wohlausgestattete Bücherwand gehört, halte ich das Buch für keineswegs anderen Medien per se überlegen. Gerade angesichts dessen, daß nicht alle Menschen Wissen gut aus schriftlichen Medien aufnehmen können, sondern manchen Lerntypen Audio, Video oder interaktive Formate viel eher entgegenkommen, halte ich diese Medienvielfalt für eine riesige Chance.

4 Kommentare

  1. Geschrieben am 29. November 2013 um 09:28 | Permalink

    ich muss doch noch was dazu schreiben… Ich werte Bücher nicht untereinander nach Kategorien, das würde für mich nicht funktionieren. So wie klassische Musik für mich nicht mehr wert ist als andere. Was in meinem Leben für mich eine wichtige Rolle spielt, hat einen höheren Wert, das kann ein guter, aber von Reich-Ranicki verrissener Roman sein, das kann ein Klassiker sein oder auch ein gut gemachtes Kinderbuch.

  2. ryuu
    Geschrieben am 29. November 2013 um 11:21 | Permalink

    Sag ich doch.

  3. Geschrieben am 1. Dezember 2013 um 18:29 | Permalink

    Ich kann mich täuschen, aber ich habe den Eindruck, dass diese sehr scharfe Trennung zwischen „Hochkamm-Literatur“ und „Trivialliteratur“ im deutschsprachigen Raum schärfer ausgeprägt ist, als im englischen Sprachraum. (Analog zur Trennung zwischen „E-“ und „U-Musik“, die sich allerdings, im Vergleich zu grauen Vorzeit, in der ich mein Abi gebaut hatte, abgemildert hat. Ohne die GEMA wäre die scharfe E-U-Grenze in der Musik längst Geschichte, denke ich.)

  4. ryuu
    Geschrieben am 1. Dezember 2013 um 23:15 | Permalink

    Also – ich habe vom englischen Sprachraum auch nur einen ganz unsubstantiellen Eindruck, habe aber auch den Eindruck, daß es da viel eher als legitim angesehen wird, Unterhaltung zu produzieren und das auf einem hohen handwerklichen Niveau.