Mein großer Haarseifen-Infodump

Am letzen Wochenende wurde ich über meine Erfahrungen mit Haarseife befragt, und ich dachte mir, hier wäre doch der Ort, um das zu vertiefen und auch Interessierte – die Person, die fragte, wie alle anderen – mit (grundlegenden und etwas weiterführenden) Informationen und Links zu bewerfen 🙂

Hier also meine Empfehlungen, wie eins an das Thema herangehen kann.

Wie ich zum Haarewaschen mit Seife kam

Ich kam zur Haarseife, als meine Mutter ein Stück davon bei sich im Bad liegen hatte. Ich so: „Darf ich die mal ausprobieren?“ Mutter so: „Ja, klar.“ Ich probierte – und war vom Ergebnis hin und weg: Die Haare fühlten sich auch ohne Conditioner sehr gepflegt an, und sie waren gut kämmbar wie noch nie. Also brauchte ich auch sowas 🙂

Da ich schon länger im Langhaarnetzwerk unterwegs bin, suchte ich dort gleich weiter nach mehr Informationen. Hier sind einige interessante Threads:

Meine Erfahrungen mit Seife

Ich wasche jetzt seit ca. 3 Monaten mit Seife, immer mal wieder zwischendrin mit Shampoo. Ich bin noch im Test- und Findungsprozess. Folgende Vorteile beobachte ich:

  • bessere Kämmbarkeit
  • Längen und Spitzen fühlen sich weniger trocken an
  • die Haare fühlen sich griffiger an
  • weniger Juckreiz auf der Kopfhaut
  • weniger Bedarf an Conditioner und Haarkuren
  • mit Seife waschen ist ein sinnliches Vergnügen.

Auf die Dauer spekuliere ich vorsichtig auf langsameres Nachfetten, so daß ich seltener waschen muß und die Haare länger schön und frisch aussehen.

Die Nachteile nehme ich dafür gern in Kauf…

  • manchmal geht was nicht ganz optimal, dann bildet sich Klätsch, d.h. die Längen sind strähnig und fühlen sich fettig und belegt an; das geht in der Regel mit der nächsten Wäsche raus, zur Not wasche ich einmal mit Shampoo.
  • Haarseifen-Handhabung will gelernt sein, eins muß willens sein, sich mit der Technik ein wenig auseinanderzusetzen.
  • Haarseife gibt’s nicht im Supermarkt (siehe unten)…
  • … und last not least der Suchtfaktor samt der „Gefahr“, sich das Seifensieden als neues Hobby zuzulegen.

Wissenswertes

Industrielle vs. handwerkliche Seifenherstellung

Einfach loszumarschieren und sich mit dem nächsten Waschstück aus der Drogerie die Haare zu waschen, ist eine schlechte Idee. Industriell hergestellter Seife wird nämlich das Glycerin entzogen (das bei handwerklich hergestellten Seifen als Schutz vor zu starker Entfettung der Haut fungiert), außerdem enthalten sie in der Regel zu wenige pflegende Bestandteile (z.B. nicht verseifte Öle).
Die Seifen, die zum Haarewaschen taugen, sind sog. Naturseifen, d.h. dem beim Seifensieden entstandenen Seifenleim wird nicht das Glycerin entzogen. Vergleiche hierzu Wikipedia: handwerkliche Seifenherstellung. Diese Seifen sind in der Regel überfettet, d.h. sie enthalten unverseifte Fette, die beim Waschen pflegend wirken und eine austrocknende Wirkung verhindern.

Wo bekomme ich Haarseife?

Leider nicht im Laden, auch nicht in einer gut sortierten Drogerie. Der Haarseifen-Markt ist eine kleine Nische, die von vielen kleinen, kreativen Seifensieder_innen bevölkert wird. Ums Bestellen im Internethandel kommt eins also kaum herum. Manche Herstellenden bieten kleine Größen zum Probieren an.

Was kostet mich der Spaß?

Ein Stück Haarseife – meist mit einem Frischgewicht von ca. 80-100g – kostet je nach Händler zwischen knapp unter fünf bis sieben Euro zuzüglich Versandkosten.
Ich habe meine erste Seife Ende April bekommen und habe sie (allerdings auch mit Abwechslung mit anderen Seifen und Shampoowäsche zwischendrin) jetzt ca. zur Hälfte aufgebraucht. So ein Stück Seife hält u.U. durchaus ein paar Monate, es sei denn vielleicht, eins wäscht jeden Tag.

Kurzes Haarseifen-Finde-Howto für Ungeduldige

  • Haar und seine Bedürfnisse genau anschauen. Dickes Haar verträgt (und braucht!) oft höher überfettete Seifen und in der Regel „schwerere“ Öle1 als feines Haar. Letzteres spielt eine Rolle, weil auch in Seife die Art der verwendeten Öle eine Rolle spielen kann – es gibt z.B. Menschen, deren Haare olivenölhaltige Seifen nicht mögen, während sie für andere das beste seit Brot in Scheiben ist.
  • Haarseife besorgen und testen.
  • Waschvorgang: Erst die Haare sehr gut naß machen (wirklich klatschnass), gründlich einschäumen (es darf ruhig ein kleiner Schaumberg entstehen), indem eins vorsichtig mit der Seife über die nassen Haare fährt – nicht zuviel rubbeln, das bringt die Haare durcheinander -, Schaum auch in die Längen streichen/drücken – dann gründlich ausspülen, hinterher ggf. saure Rinse und/oder Conditioner verwenden. Beim ersten Ausprobieren kann eins aber auch mal schauen, wie die Haare sich ohne Conditioner verhalten. Manche spülen die Seife auch mit saurer Rinse aus.
  • Viele berichten, daß Lufttrocknen nach der Seifenwäsche die besten Resultate bringt.
  • Viele Seifen-User verwenden mehrere Seifen abwechselnd. Manchen fällt der Umstieg leichter, wenn sie zunächst zwischen Seife und Shampoo abwechseln.
  • Wasserhärte herausfinden, falls noch nicht geschehen: Je weicher das Wasser, desto weniger muß eins Kalkseife (die Reaktion von Fetten, die in der Seife enthalten sind, mit im Wasser enthaltenem Kalk – gibt einen schmierigen weißen Film, der einem das Leben schwer macht) fürchten. Manche Seifen-User behelfen sich bei hartem Wasser, indem sie aqua dest. oder gefiltertes Wasser zum Haarewaschen verwenden.
  • Beim Waschen saure Rinse verwenden. Die neutralisiert den leicht alkalischen pH von Seifenlösung, verhindert die Bildung von Kalkseife und hilft, die Schuppenschicht des Haares anzulegen (was die Kämmbarkeit verbessert). Je härter das Wasser, desto stärker kann die Rinse sein, um den Kalk zu neutralisieren.

Das Ergebnis kann je nach Seife sehr unterschiedlich ausfallen, und wie bei Haarpflege und Kosmetik generell gilt: Die eine Lösung für alle gibt es nicht. Beschaffenheit und Bedürfnisse jedes Schopfes sind verschieden. Womit der eine superzufrieden ist, kann für die andere ein totales Desaster sein und umgekehrt mit allen Abstufungen dazwischen. Und es soll auch Leute geben, für die Haarseife einfach nicht funktioniert.

Eine kurze Liste von Bezugsquellen (von denen ich bereits Seifen getestet habe)

  • Savion – einige von deren Haarseifen gibt es bei Waschbär und auch in den Waschbär-Läden (in Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Göttingen) zu kaufen. Die Savion-Seifen, die ich bisher probiert habe, empfinde ich als leicht handhabbar und einsteiger_innenfreundlich.
  • Pflegeseifen.de
  • Steffis Hexenküche
  • Siehe auch der Haarseifen-Bezugsquellen-Thread im Langhaarnetzwerk.
  1. Als Orientierungspunkt taugt an diesem Punkt die sog. Jodzahl: Öle mit höherer Jodzahl sind „leichter” als welche mit niedriger.

3 Kommentare

  1. irka
    Geschrieben am 18. August 2015 um 11:06 | Permalink

    Hab mich endlich mal eingelesen und war schon auf der Suche. Vermutlich wirds nun doch eine onlinebestellung, weil die gefundenen Haarseifen nur Aussage trafen über den Duft o_O und der war zudem eher örks (bluuuumiglavendelig)

    Das Experiment geht weiter 🙂

    Vielen Dank für deinen Text

    irka

  2. Geschrieben am 20. August 2015 um 08:25 | Permalink

    Ein schöner, ausführlicher Beitrag! Darf ich den eventuell auf meinem Blog verlinken? Liebe Grüße!

  3. ryuu
    Geschrieben am 20. August 2015 um 11:20 | Permalink

    Ja, klar, gerne darfst Du den Beitrag verlinken!