ryuus Hort

Musiktheoretische Literaturliste

Neulich fragte mich eine Freundin, was ich denn so zum tieferen Einstieg in das Thema Musiktheorie empfehle. Das ist bei einer Spezialistin wie mir natürlich eine ganz schwierige Frage, denn – wenn man erst einmal tief in einem Thema drin ist, sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht, oder viel eher: das Zurechtfinden im Wald ist einer dann so selbstverständlich geworden, daß eine zwar interessiert, an welchen Orten verschiedene Eichen-Unterarten zu finden sein mögen, die Frage, wie man denn im Wald Nord und Süd auseinanderhält, eine dagegen erst einmal ins Schwitzen bringt, weil der Blick auf den Kompaß und die Orientierung via Karte „aus dem Rückenmark“ erfolgen. Konkreter: Ist man erstmal gewöhnt, für den Einstieg in ein Thema in die „Musik in Geschichte und Gegenwart“ und das „Neue Handbuch der Musikwissenschaft“ zu schauen und dann in die Staatsbibliothek zu eilen, um dort die Fachbibliographie RILM zu befragen, dann ist einem die Frage, was eigentlich eine Durtonleiter ausmacht, ziemlich fern gerückt.

Trotzdem: Es gibt so einige Bücher, die ich unbedingt weiterempfehlen kann. Also hier ryuus unvollständige und subjektive

Literaturliste zur Musiktheorie

gegliedert nach Fachgebieten:

Akustik und Instumentenkunde

Etwas trocken, aber gutes Grundlagenwissen: Brüderlin, Akustik für Musiker. Unbedingt empfehlenswert! Das Fachwerk zur Musikinstrumentenkunde, auch wenn es inzwischen etwas angestaubt wirkt: Erich Valentin, Handbuch der Musikinstrumentenkunde, erschienen bei bosse musik paperback.

Allgemeine Musiklehre

Mir ist wiederholt Ziegenrückers „Allgemeine Musiklehre“ empfohlen worden. Ich habe mich auf den etwas älteren Hermann Grabners „Allgemeine Musiklehre“ und den dtv-Atlas Musik verlassen.

Partiturlesen

Ich habe Partiturlesen auf die harte Tour, learning by doing, anhand von Mahlers Symphonien (eins meiner Examensthemen) und Wagners „Parsifal“ gelernt. Nicht zur Nachahmung empfohlen, Wagner und Mahler sind mit das Größtbesetzte und Komplexeste, was die europäische Orchestermusik vor 1910 hergibt. Wer sich dem Thema schonender nähern möchte, der kann sich mit Michael Dickreiters Buch „Partiturlesen“ hineinarbeiten.

Harmonielehre

Ich habe mir Harmonielehre mit „Harmonielehre im Selbststudium“ von Thomas Krämer beigebracht. Ein solides, recht anfängerfreundliches Arbeitsbuch (Baßschlüssel sollte $mensch flüssig lesen können, und ein Tasteninstrument zur Hand zu haben, ist hilfreich).

Kontrapunkt

Das Kontrapunkt-Buch von Diether de la Motte – es heißt einfach „Kontrapunkt“ – würde ich wärmstens empfehlen. Klassiker in diesem Bereich ist Knud Jeppesens „Kontrapunkt“, das ist aber dröge und sein Kontrapunkt eine eher artifizielle Konstruktion. Ich habe mal nach Jeppesen lernen müssen, das hat keinen Spaß gemacht – leider kommt man um ihn an deutschen Instituten kaum herum (mein Eindruck). De la Motte dagegen ist spannend und macht Lust darauf, die jeweilige Musik wirklich zu verstehen.

Gehörbildung

Clemens Kühns „Gehörbildung im Selbststudium“ ist auch empfehlenswert, wenn man einen Computer mit Gehörbildungsprogramm zur Hand hat – neben den Übungen hat Kühn umfangreiche Listen, was $mensch für einen Grundstock an klassischer Musikbildung tun kann.

Soweit meine Liste. Sobald mir noch etwas einfällt, trage ich es nach.