ryuus Hort

Hungrige Gespenster II: Gefühl zeigen?

Ein Argument, das in der Knutschdebatte der letzten Tage aufflammte: „Ja, aber wenn niemand mehr in der Öffentlichkeit Händchen hält oder knutscht, was für eine gefühlskalte Gesellschaft wird denn das dann?“ Dazu habe ich ein gewaltiges Aber, eigentlich zwei: erstens: wir leben in einer ziemliche emotions-inkompetenten Gesellschaft. (Dazu siehe mein Vorschlag unten.) Und zweitens: Gefühle finden nicht nur in Paarbeziehungen statt. Warum soll Zärtlichkeit und körperliche Nähe eigentlich nur im Paket mit romantischen Beziehungen gehen? Und zählt zum Gegenteil von Gefühlskälte nicht auch, daß Gefühle gezeigt werden, die nichts mit Zärtlichkeit für einen bestimmten Menschen zu tun haben? Die emotionale Palette ist nun mal viel breiter, hat viel mehr Schattierungen – und ja, viele Gefühlsregungen sind mit Tabus belegt, deren Ausprägung sich enorm geschlechtsspezifisch zeigt.

ryuus Labercast, Episode 2: Gitarren und Songwriter-Veranstaltungen im Netz

Boah, das war ein hartes Stück Arbeit und Stückwerk obendrein. Das erste Stück habe ich schon Anfang Juli aufgenommen, die letzte Ergänzung erst vorgestern, und das Ganze zusammenzuschneiden und nachzubearbeiten, dazu bin ich einfach nicht gekommen – der Juli war bisher so ein Monat, wo irgendwer ständig Dinge in meinen Terminkalender gestopft hat und/oder den Finger auf der Fast Forward-Taste hatte. Wenn die Lautstärke und die Qualität also etwas schwanken – wißt ihr bescheid. Ich hoffe, auphonic hat trotzdem was Hörbares draus gezaubert, sonst muß ich da nochmal mit schwerem Audiobearbeitungsgerät ran.

Zur Sache: Ich rede über meine (Akustik)Gitarren, die Unterschiede zwischen Konzert- und Westerngitarre und was bei der Anschaffung meiner Westerngitarre ausschlaggebend war. (Auf das Thema 12-string-Gitarren einzugehen, habe ich vergessen; ich finde die Dinger nämlich grandios, aber sie sind schwer zu spielen.) „Dolle Dinger“ sind diesmal FAWM und 50/90.

Wenn ich in den Shownotes was vergessen habe: fragt mich in den Kommentaren. Links gibt’s nach dem Link.

Hungrige Gespenster I. Ein Versuch, Emotionswirrwarr zu verbloggen

Heute schwappte so eine Debatte durch Twitter, die mich mitnahm. Es ging um das Privileg heterosexueller Menschen in Zweierbeziehungen, in der Öffentlichkeit zärtlich zu sein (z.B. durch Küssen und Händchenhalten). Normalerweise hätte ich mit in den Chor derjenigen eingestimmt, die sagen: ja, ist ein Privileg und Menschen in Hetero-Beziehungen sollen sich mal Gedanken machen, wieviel Raum sie damit eigentlich einnehmen! Nicht-Hetero-Menschen ernten nämlich recht zuverlässig dumme Sprüche, Beschimpfungen, Schläge und Schlimmeres, wenn sie das tun.

Aber der heutige Tag fällt in eine Zeit, wo meine Haut eh dünn ist und das Herz verwundbar, wo alte Traurigkeit bloß liegt und ich nah am Wasser gebaut bin.