Das Weihnachtsgedöns und ich.

Hatte ich behauptet, daß mir Weihnachten am Allerwertesten vorbeigeht? Well. Ich glaube, ich bin gerade doch etwas ambivalent bei dem Thema.

Weihnachten triggert bei mir eine seelische Disposition an, die mich seit Jahrzehnten immer mal wieder belastet: So ein Gefühl der existenziellen Heimatlosigkeit. Ein Gefühl, als bliebe mir nur, all die Heimeligkeit und Harmonie und auch den materiellen Wohlstand von draußen zu betrachten, wie durch beleuchtete Fenster, während ich draußen im Kalten und Dunklen stehe, alleingelassen, nicht wahrgenommen, unsichtbar… unwesentlich. Ich, die ich zu dieser Zeit gefühlt immer mal wieder in einer Welt gelebt habe, wo nichts in Ordnung war. Eine Familie, zu der ich mehrere Jahre mit ambivalenten Gefühlen fuhr (denn daß es spätestens nach 3 Tagen Zoff gab, wenn alle auf einem Haufen hockten, stand zu erwarten). Keine funktionierende, stabile Partnerschaft. Geld: lange Jahre ein ständiges Angstthema. Freund_innen: alle bei ihren jeweiligen Herkunftsfamilien. Es ist, als wäre dieser ganze Weihnachtsharmoniebesinnlichkeitsmythos dazu angetan, mir das, was in meinem Leben nicht so harmonisch ist, kräftig unter die Nase zu reiben.

Halloween, Feiertage, Kommerz, Kritik und das ganz Andere

Der Artikel Christenmenschen gegen Kürbisköpfe gab mir heute mittag einen Impuls, mal über mein Ding mit Feiertagen und Kommerz grundsätzlich zu schreiben.

Nun bin ich in der Position von „weder noch, sondern etwas ganz anderes“, und ich laufe mit diesem „ganz anderen“ auch noch Gefahr, in die rechte Ecke gestellt zu werden. Aber dazu weiter unten.

An sich bin ich von Halloween ziemlich unbewegt. Es ist mir egaler als das bürgerliche Weihnachten, das mir schon mit ziemlich hoher Geschwindigkeit am Allerwertesten vorbeigeht. Ja, das Fest kommt in Mode, und in seiner jetzigen Form kommt es aus Amiland. Und weiter? Prozesse der Übernahme aus anderen Kulturen hat es immer schon gegeben und solange sie nicht in Form von cultural appropriation daherkommen – die vom Prozeß der einfachen Übernahme leicht unterscheidbar ist insofern, als es im Fall von cultural appropriation oft ein Machtgefälle zwischen der aneignenden und der Ursprungskultur gibt und das Übernommene dabei häufig grob entstellt und aus jeglichem Kontext gerissen wird – finde ich Übernahmen wie die von Halloween auch nicht irgendwie verwerflich.

Leute verkleiden sich und haben einen Heidenspaß daran, sich mit dem Gruseligen und Abseitigen zu beschäftigen: na und?

Metal, ich und Empowerment

tl;dr: Im Metal gibt es viele kackscheißige Aspekte, trotzdem mag ich diese Musik und sie hat empowernde Aspekte für mich.

Vor einiger Zeit wurde in meiner feministischen Filterbubble viel über Musik geschrieben, und ich fühlte mich inspiriert, was über meine Beziehung zu einem Genre zu schreiben, das mir was bedeutet, obwohl es dort jede Menge Mackertum gibt, nämlich Metal. Ich weiß nicht, ob das metallische Mackertum ein schlimmeres oder grundsätzlich anderes ist als das übliche in Rock/Pop-Kontexten.
Ich komme erst jetzt dazu, aufzuschreiben, was ich dazu zu sagen habe, weil ich sehr mit Musikmachen beschäftigt war.

Ich habe um 2000 angefangen, Metal zu hören, in einer Zeit, als ich mich von Konformitätsdruck belagert fühlte, hin und her gerissen zwischen subkulturellen Identitäten (beziehungsweise dem Gefühl, daß auf der einen Seite meine Subkultur-Identität als Goth stand, ich auf der anderen Seite qua Begehren auf die Homo-Szene verwiesen wurde, in der ich mich unwohl fühlte), leidend darunter, daß ich ständig als Hetera fehl-gelesen wurde und die Dimension Liebe/Partnerschaft/Sexualität in meinem Leben von tragischem Scheitern und tiefer Einsamkeit geprägt war. Ich habe mich schrittweise herangetastet und irgendwann Anfang 2002, als ich anfing, in einer Melodic Death Metal-Band zu singen, fing ich an, auch härtere Spielarten zu mögen. Ich habe mich Anfang 2004 aus dieser Band verabschiedet; sexistische Mechaniken waren ein ziemlich wesentlicher Teil der Gründe, warum das nicht auf Dauer gut ging.

Ich habe mit Metal in den letzten Jahren fast ausschließlich hörend zu tun und frequentiere Szenezusammenhänge (Metalkneipen, Konzerte, Festivals, Zeitschriften, Websites/Communities) so gut wie gar nicht mehr. Die Musik gibt mir noch viel, während die Szene mich nicht mehr lockt.

Übers Heiraten

@vonhorst hat da auf kleinerdrei.org einen sehr schönen Artikel übers Heiraten geschrieben. Einen Artikel, der wahnsinnig viel bei mir anrührt, gerade weil dieses Thema Heiraten mein Leben scheinbar nicht berührt.

Manchmal lösen die Debatten um Heiraten und die Eingetragene Lebenspartnerschaft eine gewisse Bitterkeit bei mir aus – egal ob homo oder hetero, es geht in diesen Debatten um die Bedürfnisse von Menschen, die in Zweierbeziehungen leben und einen gemeinsamen Haushalt führen (wollen). So vieles ist in diesen Debatten von vornherein ausgeblendet.

Und es ist ja nicht so, daß ich romantische Liebe nie gewollt hätte.

Theorie ist lebenswichtig.

Inhaltswarnung: komplexe Sprache, u.U. Jargon, hastig hingeworfen. Wenn dieser Post nicht allen verständlich ist, dann liegt es unter Umständen auch an inhaltlicher Komplexität. Ausführen und vereinfachen kann ich das später immer noch.

Manchmal werde ich ja gefragt, warum ich meine Erfahrungen so systematisieren muß, warum ich jedesmal so ein großes Faß Theorie aufmachen muß.

Ja, eigentlich wäre es ja schöner, nicht alles säuberlich in ein System pressen zu müssen, nicht alles zu sortieren, schubladisieren und so, oder? Das Leben so bunt und vielfältig sein zu lassen, wie es ist und mich einfach so dran zu freuen.

Das Problem sind andere System: Herrschaftssysteme, Machtverhältnisse, Privilegien, Paradigmen.