ryuus Hort

Überleben im Niemandsland

tl;dr: In sozial beschissenen Situationen kann Introversion hilfreich sein. Und Kunst kann Überlebensstrategie sein.

In meinem letzten Post hatte ich von ein paar miesen Erfahrungen in meiner Kindheit und Jugend gesprochen. Und dann kam mir in den Tagen danach die Frage in den Sinn: wie habe ich das eigentlich überlebt? Ich schreibe nicht „unbeschadet“, denn das wäre unwahr. Es hat Spuren in meiner Seele hinterlassen, einige davon einschneidend, einige machen mir heute noch zu schaffen. Aber ich bin nicht in der Schule sitzengeblieben, ich habe keinen größeren Mist gebaut, keinen Unsinn mit Drogen gemacht und ich habe mich nicht selbst verletzt. Obwohl ich manchmal denke, daß ich so zwischen 13 und 15 recht knapp an einer Eßstörung vorbeigerutscht bin: ja, ich weiß, was Schlankheitsterror heißt.

Also, was hat mir erlaubt, das zu überstehen? Was hat mich damals stark gemacht?
Das erste: Zu hause war ein sicherer Ort. Zu dem Zeitpunkt, als die Mobbing-Geschichten aktuell waren, brannte es nicht auch noch zuhause. OK, ich habe meine Mutter zwischendrin als überlastet wahrgenommen – Alleinerziehenden-Situation plus Erwerbstätigkeit eben -, aber die Luft brannte nicht. Und meine Mutter stand hinter mir, sie hat mich damit nicht allein gelassen.

Der Haß auf die anderen

Triggerwarnung: Ich beschreibe Erfahrungen von (sexualisierter) Gewalt und Diskriminierung.

tl;dr: In meiner Kindheit und Jugend war ich Außenseiterin und habe deswegen Gewalt und Ausgrenzung erlebt.

Gerade las ich dieses taz-Interview mit einem Überlebenden des Brandanschlags von Mölln. Und das brachte einige Erinnerungen zutage, denn die Mechanik ist ähnlich: Nicht-glauben, Nicht-ernst-nehmen, die Schuld den Opfern zuschieben.

Zum Ada Lovelace Day: Sunita Williams

Schon wieder eine Astronautin als Person, die ich anläßlich des Ada Lovelace Day vorstelle? Allerdings. Ich mußte nicht lang überlegen, daß ich dieses Jahr über Sunita Lyn Williams schreibe.

Astronaut_innen an sich finde ich ja besonders und spannend genug, aber Williams hat ein paar bemerkenswerte Stats: Sie ist derzeit die Frau mit der längsten EVA-Gesamtdauer (44 Stunden und 2 Minuten bei insgesamt 6 EVAs) und erst die zweite Frau nach Peggy Whitson, die auf der ISS das Kommando innehat.

Kurzer Rant: Victim Blaming.

Triggernwarnungen: Victim Blaming, Links thematisieren Vergewaltigung.

Sorry für den kurzen Gutelaunekiller, aber das muß jetzt einfach raus, denn es beschäftigt mich seit ein paar Tagen.
In den letzten Wochen hört ein Teil meiner Twitter-Timeline ganz zu recht nicht auf, sich darüber zu empören, daß ein Vergewaltiger freigesprochen wurde.

Erst angesichts dessen erinnerte ich mich: Ich habe zweimal sexualisierte Übergriffe auf mich angezeigt.