ryuus Hort

Körpernormen- und Geschlechtsterror: Beim Laufen.

Ich laufe gerne, im Sinne von Jogging. Es ist eine praktische Sportart – ich brauche dazu nur vor meine Tür zu gehen -, die Ausstattung ist vergleichsweise preiswert und es ist vergleichsweise wenig zeitaufwendig. Es ist darüber hinaus für mich tolle Medizin gegen Rücken- und Schulterverspannungen, und es hilft mir wunderbar, den Kopf klarzukriegen und frische Luft zu schnappen. Einfach Trainingsklamotten anziehen und losrennen, das mache ich zur Zeit sehr gerne. Ich bin ziemlich dankbar, daß ich joggen kann, denn eine Zeitlang konnte ich das wegen Fersen- und Kniebeschwerden nicht.

Was mich aber ankekst, sind die dummen Kommentare, die ich ernte. Regelmäßig. Fast ausschließlich von Typen. Meistens Kommentare über meine Geschwindigkeit (oft in Form von „Hopp hopp“ oder „schneller!“-Rufen), manchmal unverständliches Zeug, heute nachmittag – am hellichten Tag! – wurde ich sogar mit irgendwas beworfen (ich weiß nicht genau, was es war, ich habe es nur am Rücken gespürt). Ich frage mich, ob norm-schlanke able-bodied Cis-Typen beim Sporttreiben mit derselben Selbstverständlichkeit kommentiert werden.

[TW: Sexismus, Gewalt] Übers Mich-Wehren und über Kampfkunst #aufschrei

Auf die Gedanken, die ich hier verarbeite, brachte mich der Blogpost von @ruhepuls Normal ist das nicht.

Eins der Argumente, die bei der #aufschrei-Geschichte gebracht wurden: Warum wehren sich denn die Frauen* nicht? Ich sage: Ich wehre mich! Und ich wünsche mir auch, daß all die anderen Frauen, die sich wehren, zu erkennen wären. Ich würde mir wünschen, daß jeder Akt der Gegenwehr Applaus und Wertschätzung erntet, anstatt daß infrage gestellt wird, ob das denn jetzt wirklich nötig/angemessen war, oder das mit den üblichen Beleidigungen – „spaßbefreit“, „prüde“, Mutmaßungen über das erfüllte oder unerfüllte Liebesleben der Betreffenden – abgewertet wird.

Ich finde das Argument mit der Gegenwehr auch doof. Sehr doof. Es schiebt die Verantwortung wieder den Opfern zu, die irgendwie mit dem Geschehen umgehen sollen, anstatt den übergriffigen Menschen zu sagen: Laßt den Scheiß, seid keine Arschlöcher. Und in etlichen Situationen, die unter dem Hashtag beschrieben werden, ist schlicht keine Gegenwehr möglich.

edit: Und es ignoriert diejenigen, die sich nicht wehren können, aus welchen Gründen auch immer. Sollen die dann – mal wieder – selbst schuld sein? Sollen die Schwachen und Wehrlosen – als die Frauen* ja viel zu gerne generell hingestellt werden – das in letzter Konsequenz einfach ertragen, egal wie ekelhaft und unerträglich das Geschehen ist? Überlegt doch mal, zu welchen Schlußfolgerungen das „Wehrt Euch“-Argument in letzter Konsequenz führt.

Und dann: wehrt frau sich, ist das auch wieder nicht recht.

Klein sein und so.

Vor einiger Zeit sagte ich mal:

Ich bin stolze 1,56m groß. Manchmal wünsche ich mir, größer zu sein. Oft schätzen Menschen mich auch größer, muß so ein Körpersprach-Ding sein.

Nicht passende Kleidung ist so eine Sache. Hosen sind das geringste Problem. Hosen lassen sich leicht kürzen. Zu lange Pulli-, Blusen- und Shirtärmel sind dann schon eher ärgerlich, aber auch da finden sich Lösungen. Das Angebot an Kurzgrößen ist bei den meisten Händlern auch eher beschränkt, gerade die preiswerten Sachen gibt es dann nicht in Kurzgrößen.

Was mich aber wirklich nervt und unpraktisch ist, sind ganz andere Sachen:
An Sachen nicht rankommen. Das Vorhanden- und für mich Benutzbarsein von Trittleitern würde da sehr helfen, aber wann ist schon mal sowas vorhanden?