ryuus Hort

Über Begehren.

Das tl;dr steht diesmal am Ende, um Euch zu animieren, mein Zeug doch zu lesen.

Nach längerer Pause fühle ich mich mal wieder gedrängt, was über das ein queeres Thema zu schreiben. Nämlich über eine Variable, die in den Gleichungen, die ich so in der queeren/feministischen Blogosphäre in letzter Zeit gefunden habe, nicht zu meiner Zufriedenheit vorkommt und auch in meinen Augen in LGBT-Kontexten oft nicht ausreichend von gender getrennt wird.

Warum schreibe ich überhaupt über solche Dinge, die von vielen als privat und intim eingestuft werden? Weil sie Gegenstand gesellschaftlicher Machtverhältnisse und Denkstrukturen sind. Weil auch das Privateste und Intimste politisch sein kann.

Identity clothing? Ein paar Gedanken über Njulezz.

Da bekam ich vor ein, zwei Wochen eine Mail von einem neuen Mode-Unternehmen. Nun ja, ich und Mode: ich schwanke in meinem Stil ja wüst zwischen Jeans-und-T-Shirt-Nerd, Birkenstock-Ökotante, Metaltante und zaghaften Versuchen von businesstauglichem Smart Casual. Garderobe kann man die wahllose Ansammlung schlecht zusammenpassender Klamotten, die in meinem Kleiderschrank hängt, nicht wirklich nennen. Über ein Jahrzehnt mit einer mehr als knappen Kasse haben mich da mit etwas hinterlassen, worüber ich mir eigentlich nur den Kopf kratze, und eigentlich ist mir Mode mittlerweile schnurz. Ich will mich nur wohl fühlen in dem, was ich da trage.
Ich will Schuhe, in denen ich auch mal, weil mir gerade danach ist, zwei Kilometer gehen kann, ohne daß mir hinterher die Füße weh tun. Absätze gehen gar nicht, bzw. nur zu ganz wenigen Anlässen (Klassik-Auftritte – da aber bitte auch nur minimal, zu hohe Absätze wirken sich negativ auf die Sängeratmung aus -, Opernbesuch, wichtige Businessanlässe, aufgerüscht weggehen). Ich will Hosen, in denen mein Hintern nicht total unförmig aussieht (nur in Armeehosen darf er das, aber Armeehosen sind für Situationen, wo mir Aussehen schnuppe ist: rumhängen im Wald, dreck- oder farbklecksgefährliche Arbeit, Putzen, Renovieren, Möbelrücken). Ich will Klamotten, in denen ich mich bewegen kann. Ich will für den Alltag am liebsten schlichte, klassische, gut kombinierbare Basics: aufhübschen mit Accessoires und Schmuck geht dann immer noch. Und trotz dieser Modemuffeligkeit fühle ich mich als femme, fühle mich in Röcken wohl, schminke mich ab und zu mal gerne, mag sowohl meinen Bizeps als auch meine Rundungen.

Aber gut, gucken wir uns das mal an. „Wir kümmern uns um die schönen Dinge: Frauen“, steht auf der Startseite, und „identity clothing“ soll die Mode von Njulezz sein.

Respekt für Weiblichkeiten V: Vom Verlangen des Weibes nach dem Weibe

Ich schreibe diesen Text als eine, die sich unsicher ist, ob sie sich mit „femme“ und „feminin“ identifizieren soll. Das gleiche gilt für die Frauen, die ich begehrenswert finde: Soweit ich weiß, identifiziert sich keine von ihnen als femme, einige von ihnen würden wahrscheinlich sogar den Kopf schütteln über diese engstirnige Schubladisierung. Aber ich werde so wahrgenommen und fühle mich darum gedrängt, mich auf die eine oder andere Weise zu dieser Wahrnehmung zu verhalten. Ich würde mich zu der intimen Frage, wen ich begehrenswert finde, nicht äußern, wenn darin nicht Konfliktpotential steckte, das ich nicht auf individuelle Verfaßtheiten zurückzuführen bereit bin, sondern in dem ich etwas Strukturelles wahrnehme.

Es war für mich ein Aha-Erlebnis, als ich im zweiten Semester mit Judith Butlers „Gender Trouble“ konfrontiert wurde und dort das Modell der heterosexuellen Matrix kennenlernte.