ryuus Hort

Stonewall war schließlich ein Krawall

Als mir gestern ein Freund davon erzählte, entfuhr mir ein lautes „STRIKE!!!“. Wo ich doch letztens über den CSD gemeckert hatte: Eigentlich sollte Judith Butler mit dem Zivilcouragepreis des CSD Berlin ausgezeichnet werden, aber: sie hat ihn abgelehnt. Mit der Begründung, sie müsse sich von der „rassistischen Komplizenschaft“ des Berliner CSD distanzieren. Hier das Beweisstück: Quelle, gefunden bei eidechse.

Schwullesbische Veranstaltungen und ich: eine Haßliebe

Heute fiel es mir mal wieder so richtig auf: mit schwullesbischen Veranstaltungen verbindet mich eine ganz große Ambivalenz. Ausgedrückt in diesem Tweet heute: linuxtag statt schwullesbisches stadtfest?

Ohnehin kann ich mit dem modernen „Gay“ als Lifestyle wenig anfangen. Nein, meine Befreiung besteht nicht in der Gelegenheit zum hemmungslosen anonymen Sex und nicht in auf einen Teil meiner Identität zugeschnittenen Veranstaltungen mit lauter, für mich bestenfalls gerade eben erträglicher Musik und teurem Alkohol, die ich zum Sterben langweilig finde. Sie bestünde darin, auf einem Liverollenspielcon, auf einer Party, auf einem Hacking-Event, auf einem Heidentreffen mit derselben Wahrscheinlichkeit wie ein Hetero die Frau fürs Leben zu treffen. Sie bestünde darin, daß mir niemand mehr mit statistischen Argumenten kommt, warum das nicht geht. Sie bestünde darin, mir keine Gedanken darum machen zu müssen, ob jetzt ein Arbeitgeber rausfindet, daß ich mal eine schwullesbische Party mitorganisiert habe. Sie bestünde darin, daß ich nicht mehr das Gefühl habe, einer entmutigend kleinen Minderheit anzugehören, innerhalb derer ich mich wegen der Summe anderer Merkmale (langhaarige Hochsteckfrisurträgerin, Metalhead, Klassik- und Alte-Musik-Fan, Rollenspielerin, Linuxnerd, Asatrú, … ) wieder total allein, im negativen Sinne nerdig und wie ein Alien fühle, im schlimmsten Fall mit dem Arsch nicht angeguckt oder sogar unfreundlich angegangen werde. (Letzteres ist mir selbst nie passiert, aber Freundinnen, die ländlicher wohnen, wurden durchaus als „Heten“ von dortigen Lesbenparties komplimentiert.)

Ich fühle mich nicht gemeint, wenn ich die Siegessäule oder die L-Mag lese.