ryuus Hort

Eine Utopie: Ein Tag ohne Heterosexismus

Gestern war der internationale Tag gegen Homo-, Bi- und Transphobie. kleinerdrei hat anlässlich dieses Tages die Aidshilfe Münster e.v. interviewt, die in ihrer Aktion #prohomo dazu aufgerufen hat, positive Erfahrungen mit Homosexualität und Homosexuellen zu twittern.

Ich will jetzt gar nicht darauf eingehen, warum ich diese Aktion eher nur so mittelgut finde (dazu haben andere schon genug gesagt), eher meinen Gegenentwurf zeigen. Mich juckt es bei sowas nämlich immer, zu versuchen, mir vorzustellen, wie denn eine Welt ohne Heterosexismus aussehen könnte – an einem ganz normalen Tag; wie sich das in meinem alltäglichen Leben manifestieren könnte.

Die Verflechtung von Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit mit anderen Machtverhältnissen habe ich außer Acht gelassen – sonst muß ich meine Vorstellungskraft mehr anspannen, als ich das in so einem kurzen Text könnte.

Also, hier geht’s los: In einem Paralleluniversum. Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit sind ausgestorben – vielleicht als „ja, früher mal, da gab es sowas …“ noch präsent. So könnte ein ganz normaler Samstag ablaufen (die beschriebenen Ereignisse und Personen sind rein fiktional):

Ein ganz gewöhnlicher Samstag

Gestern haben wir im Betrieb eine kleine Grillparty veranstaltet. Der ganze Betrieb war da, auch ein paar Geschäftspartner, und meine Kollegin Julia hat nicht nur ihre Partnerin Antonia, sondern auch ihren neuen Freund Marcus mitgebracht – keine Pointe hier. Und mei, hat die Einkäuferin eines unserer Partnerunternehmen mit mir geflirtet.

Heute habe ich ausgeschlafen, ich stehe morgens auf und mache mir in aller Ruhe einen Kaffee.

Ein Bruchstück über symbolische Ordnungen und Fiktionen

Antje Schrupp hat da mal wieder etwas sehr interessantes geschrieben: Die neue Lust auf Patriarchat Im letzten Absatz spricht sie etwas an, das mir sehr wichtig erscheint: Nach wie vor bewegen sich Filme, Bücher etc., also fiktionale Kunstwerke, in patriarchalen Szenarien – was sie am Beispiel von „A Song of Fire and Ice“ durchdekliniert.

Ich glaube, diese patriarchalische symbolische Ordnung ist uns einfach vertraut, und genau das Erschaffen einer symbolischen Ordnung gegen jene an, die mir ansozialisiert wurde ist das Anstrengende daran, alternative symbolische (Un)Ordnungen zu denken.
Es ist wie das Ausbrechen aus tief eingefahrenen Gleisen. Ich glaube, der Grund, warum das Lesen von Schmökern, die zutiefst patriarchale Strukturen abbilden, mich nur in einem Maß anstrengt, das sie durchaus als entspannte Urlaubslektüre tauglich macht, ist: es ist eben immer noch eine vertraute Ordnung, in der zu denken einfach ist; Geschichten, die mir zu fremde Ordnungen bemühen, gestatten mir nicht, auf mir vertrautes Wissen, wie die Welt funktioniert, zurückzugreifen und sind daher irgendwann anstrengend.