ryuus Hort

Halloween, Feiertage, Kommerz, Kritik und das ganz Andere

Der Artikel Christenmenschen gegen Kürbisköpfe gab mir heute mittag einen Impuls, mal über mein Ding mit Feiertagen und Kommerz grundsätzlich zu schreiben.

Nun bin ich in der Position von „weder noch, sondern etwas ganz anderes“, und ich laufe mit diesem „ganz anderen“ auch noch Gefahr, in die rechte Ecke gestellt zu werden. Aber dazu weiter unten.

An sich bin ich von Halloween ziemlich unbewegt. Es ist mir egaler als das bürgerliche Weihnachten, das mir schon mit ziemlich hoher Geschwindigkeit am Allerwertesten vorbeigeht. Ja, das Fest kommt in Mode, und in seiner jetzigen Form kommt es aus Amiland. Und weiter? Prozesse der Übernahme aus anderen Kulturen hat es immer schon gegeben und solange sie nicht in Form von cultural appropriation daherkommen – die vom Prozeß der einfachen Übernahme leicht unterscheidbar ist insofern, als es im Fall von cultural appropriation oft ein Machtgefälle zwischen der aneignenden und der Ursprungskultur gibt und das Übernommene dabei häufig grob entstellt und aus jeglichem Kontext gerissen wird – finde ich Übernahmen wie die von Halloween auch nicht irgendwie verwerflich.

Leute verkleiden sich und haben einen Heidenspaß daran, sich mit dem Gruseligen und Abseitigen zu beschäftigen: na und?

Ein Bruchstück über symbolische Ordnungen und Fiktionen

Antje Schrupp hat da mal wieder etwas sehr interessantes geschrieben: Die neue Lust auf Patriarchat Im letzten Absatz spricht sie etwas an, das mir sehr wichtig erscheint: Nach wie vor bewegen sich Filme, Bücher etc., also fiktionale Kunstwerke, in patriarchalen Szenarien – was sie am Beispiel von „A Song of Fire and Ice“ durchdekliniert.

Ich glaube, diese patriarchalische symbolische Ordnung ist uns einfach vertraut, und genau das Erschaffen einer symbolischen Ordnung gegen jene an, die mir ansozialisiert wurde ist das Anstrengende daran, alternative symbolische (Un)Ordnungen zu denken.
Es ist wie das Ausbrechen aus tief eingefahrenen Gleisen. Ich glaube, der Grund, warum das Lesen von Schmökern, die zutiefst patriarchale Strukturen abbilden, mich nur in einem Maß anstrengt, das sie durchaus als entspannte Urlaubslektüre tauglich macht, ist: es ist eben immer noch eine vertraute Ordnung, in der zu denken einfach ist; Geschichten, die mir zu fremde Ordnungen bemühen, gestatten mir nicht, auf mir vertrautes Wissen, wie die Welt funktioniert, zurückzugreifen und sind daher irgendwann anstrengend.

Wie ich mir einen Action-/Fantasy-/Science Fiction-Film wünschen würde

@baum_glueck bringt mich immer wieder auf interessante Gedanken… heute hatten wir diese Unterhaltung:

Ich liebe ja, wenn ich mal Filme gucke, Action-Blockbuster. Wenn ich ins Kino gehe, darf gerne geprügelt und geballert werden. Die Special Effects-Abteilung darf ruhig reichlich zu tun haben. Und ich mag Fantasy und SF. Ich mag Filme, deren Welten nicht so funktionieren wie unsere alltägliche. Ich mag Schwertgeschwinge, Kampfkunst und Zauberei, ich mag Rumgefliege mit Raumschiffen.

Ich erwarte, wenn ich ins Kino gehe, meistens keine Weltverbesserung und meistens komme ich mit dem Gehalt an alltäglicher Kackscheißeden üblichen Normen in Filmen so halbwegs klar. Was mich aber immer wieder frustriert, sind zwei Dinge: Erstens die totale Heteronormativität dieser Filme. Ich bin fast schon erleichtert, wenn in einem Film mal keine Lovestory vorkommt oder die Lovestory nur eine winzige Nebenrolle spielt.