ryuus Hort

Schwullesbische Veranstaltungen und ich: eine Haßliebe

Heute fiel es mir mal wieder so richtig auf: mit schwullesbischen Veranstaltungen verbindet mich eine ganz große Ambivalenz. Ausgedrückt in diesem Tweet heute: linuxtag statt schwullesbisches stadtfest?

Ohnehin kann ich mit dem modernen „Gay“ als Lifestyle wenig anfangen. Nein, meine Befreiung besteht nicht in der Gelegenheit zum hemmungslosen anonymen Sex und nicht in auf einen Teil meiner Identität zugeschnittenen Veranstaltungen mit lauter, für mich bestenfalls gerade eben erträglicher Musik und teurem Alkohol, die ich zum Sterben langweilig finde. Sie bestünde darin, auf einem Liverollenspielcon, auf einer Party, auf einem Hacking-Event, auf einem Heidentreffen mit derselben Wahrscheinlichkeit wie ein Hetero die Frau fürs Leben zu treffen. Sie bestünde darin, daß mir niemand mehr mit statistischen Argumenten kommt, warum das nicht geht. Sie bestünde darin, mir keine Gedanken darum machen zu müssen, ob jetzt ein Arbeitgeber rausfindet, daß ich mal eine schwullesbische Party mitorganisiert habe. Sie bestünde darin, daß ich nicht mehr das Gefühl habe, einer entmutigend kleinen Minderheit anzugehören, innerhalb derer ich mich wegen der Summe anderer Merkmale (langhaarige Hochsteckfrisurträgerin, Metalhead, Klassik- und Alte-Musik-Fan, Rollenspielerin, Linuxnerd, Asatrú, … ) wieder total allein, im negativen Sinne nerdig und wie ein Alien fühle, im schlimmsten Fall mit dem Arsch nicht angeguckt oder sogar unfreundlich angegangen werde. (Letzteres ist mir selbst nie passiert, aber Freundinnen, die ländlicher wohnen, wurden durchaus als „Heten“ von dortigen Lesbenparties komplimentiert.)

Ich fühle mich nicht gemeint, wenn ich die Siegessäule oder die L-Mag lese.

Weihnachten dräut (viel zu früh)

Es ist schon wieder soweit: In den Supermärkten werden Lebkuchen und Spekulatius angeboten, im IKEA-Prospekt dominieren Weiß, Rot und weihnachtliche Motive und Anmeldungen zu Wichtelaktionen laufen auch schon.

Ich stehe Weihnachten ja ambivalent gegenüber. Dieser ganze Konsumrummel, die Geschenke-Mach-Hysterie, die ich so wahrnehme – das nervt mich nur an. Ich hasse es, auf Teufel komm raus Weihnachtsgeschenke finden zu müssen für Leute, bei denen mir partout nicht einfällt, womit ich ihnen denn wirklich eine Freude machen kann. Und ich hasse es, bemühte, aber uninspirierte Geschenke zu bekommen, mit denen ich dann nicht wirklich was anfangen kann. Wenn die dominante Kultur auf kuschelige heimelige Familienharmonie macht, kann man sich als alleinlebender Mensch auf einmal ziemlich einsam fühlen, gerade wenn man dann auch noch arm ist, sich eigentlich nur die Geschenkverpackung für die viel zu teuren Geschenke leisten kann und auch so einiges im Leben nicht so kuschelig ist.