ryuus Hort

Ja, ich bin ein Geek!

Die Geeksisters haben dazu aufgerufen, sich zum Geektum zu bekennen. Sie stellen auch ein paar Fragen dazu – und da ich gerne übers Geek-Sein rede, beantworte ich die hier mal:

1. Was macht Dich zum Geek?
Boah, viele Dinge 🙂 aber vor allem wohl: Ich bin neugierig auf Technik und glaube, daß sie das Leben schöner und besser machen kann. Und ich scheue mich nicht, mich intensiv mit Dingen zu befassen, die andere Menschen für exzentrisch oder seltsam halten könnten. Und sonst?

Schwullesbische Veranstaltungen und ich: eine Haßliebe

Heute fiel es mir mal wieder so richtig auf: mit schwullesbischen Veranstaltungen verbindet mich eine ganz große Ambivalenz. Ausgedrückt in diesem Tweet heute: linuxtag statt schwullesbisches stadtfest?

Ohnehin kann ich mit dem modernen „Gay“ als Lifestyle wenig anfangen. Nein, meine Befreiung besteht nicht in der Gelegenheit zum hemmungslosen anonymen Sex und nicht in auf einen Teil meiner Identität zugeschnittenen Veranstaltungen mit lauter, für mich bestenfalls gerade eben erträglicher Musik und teurem Alkohol, die ich zum Sterben langweilig finde. Sie bestünde darin, auf einem Liverollenspielcon, auf einer Party, auf einem Hacking-Event, auf einem Heidentreffen mit derselben Wahrscheinlichkeit wie ein Hetero die Frau fürs Leben zu treffen. Sie bestünde darin, daß mir niemand mehr mit statistischen Argumenten kommt, warum das nicht geht. Sie bestünde darin, mir keine Gedanken darum machen zu müssen, ob jetzt ein Arbeitgeber rausfindet, daß ich mal eine schwullesbische Party mitorganisiert habe. Sie bestünde darin, daß ich nicht mehr das Gefühl habe, einer entmutigend kleinen Minderheit anzugehören, innerhalb derer ich mich wegen der Summe anderer Merkmale (langhaarige Hochsteckfrisurträgerin, Metalhead, Klassik- und Alte-Musik-Fan, Rollenspielerin, Linuxnerd, Asatrú, … ) wieder total allein, im negativen Sinne nerdig und wie ein Alien fühle, im schlimmsten Fall mit dem Arsch nicht angeguckt oder sogar unfreundlich angegangen werde. (Letzteres ist mir selbst nie passiert, aber Freundinnen, die ländlicher wohnen, wurden durchaus als „Heten“ von dortigen Lesbenparties komplimentiert.)

Ich fühle mich nicht gemeint, wenn ich die Siegessäule oder die L-Mag lese.

Warum ich gerne ein Nerd bin

binary code /  stock.xchng, see: http://www.sxc.hu/photo/1159615

Wenn man sich wie ich immer schon für Dinge interessiert hat, die der Umwelt seltsam erscheinen, und das in einer Intensität, die anderen abwegig erscheint, dann wird man von vielen abqualifiziert. Als Sonderling, als Misfit – und das aber nicht als Abwertung anzunehmen, sondern es zu wenden, die stolze Selbstbezeichnung „Nerd!“ daraus zu machen: das ist ein Gedanke, mit dem ich mich anfreunden kann. Auch, weil ich mich gegen die „Kind, mußt du es dir so schwer machen?“- oder „Schwarz biste, schwul biste, jetzt mußt du auch noch Jude werden“-Anwürfe wehren muß. Ich habe mir nicht ausgesucht, mich für „exzentrische“ Dinge zu interessieren. Ich kann versuchen, mich auf Normalmaß zurechtzustutzen, indem ich mir verbiete, mich mit allzu seltsamen Dingen zu beschäftigen oder wenigstens das Interesse dafür nicht nach außen zeige. Ich könnte versuchen, mich oder wenigstens mein nach außen gezeigtes Bild zu einem vollkommen „normalen“ Menschen ohne „abschreckende“ Eigenschaften, der nirgends aneckt, zu machen – wenn es möglich wäre, wäre das Resultat jedoch farblos und ultimativ langweilig. Bei vielen meiner Leidenschaften ist das Energieverschwendung und obendrein vergeblich. Genauso gut kann ich ohne Scham dem nachgehen, was mich gerade begeistert: das ist wesentlich besser fürs Selbstwertgefühl. Und wer definiert schon, was normal und was exzentrisch ist?