Politinduzierter Verdruß

Es geschehen in Deutschlands Politik Dinge, die mich zwängen, mit Dauerfacepalm durch die Gegend zu laufen, würde ich mich nicht entscheiden, daß Galgenhumor Leben rettet. Ich habe ein Studium unter widrigen Bedingungen durchgehalten, ich habe ein Jahr Abhängigkeit von einem bürokratischen Moloch durchgestanden – da werden mich so ein paar Politikerdarsteller nicht unterkriegen. Doch gelegentlich gibt es Tage, wo es besser für meinen Blutdruck ist, kein Radio einzuschalten. Und manchmal bemerke ich, in welcher Haltung ich mich durch die Gegend schleppe, frage mich, wo der stolze, aufrechte, energische Gang hin ist, den ich früher mal hatte, warum ich mich immer öfter dabei ertappe, grübelnd, zornig oder sorgenvoll die Stirn in Falten zu legen und meine Mundwinkel allzu oft nach unten hängen. Da hat sich in den letzten 5 Jahren ein ständiges Gefühl von Überlastung, so ein depressiver Grauschleier über dem Alltag, eingeschlichen. Ob das nur mein individuelles Pech ist oder doch einen gesellschaftlichen Hintergrund hat? Keine Ahnung.

Es häufen sich, vor allem, wenn die politische Kaste mal wieder irgendein unausgegorenes Gesetz verabschiedet, die Momente, wo ich den Impuls habe: “Auswandern!!”, jedoch dicht gefolgt von einem: “Ja, scheiße, wohin eigentlich?” Denn mir fällt so auf die Schnelle kein Land ein, in dem es so generell besser wäre – was Überwachung, Bürgerrechte, Lebensqualität als nicht-männlicher, nicht-hetero-Mensch und so angeht.

Und dann: Ich lebe verdammt gerne in Mitteleuropa.

Durcheinander

ryuu.de war in letzter Zeit ziemlich hochfrequent, techlastig und nicht unbedingt ein Tagebuchblog. Wieviel persönliche Befindlichkeit ist da gelandet? Wenn ich mich recht erinnere, nicht gar so viel. Immerhin gibt’s mir eine Menge, daß dieses Blog augenscheinlich gelesen wird (sagt zumindest mein Statistikplugin) und noch mehr, wenn ich Kommentare kriege, wo im schönsten Fall eine Diskussion stattfindet oder ich was Neues und (hoffentlich nicht nur für mich) Hilfreiches erfahre. Darum hoffe ich, Ihr Leser_innen, die Ihr mich nicht persönlich kennt, könnt auch mal kryptische Befindlichkeit verdauen.

Am Sonntag habe ich so eine Anwandlung meinen unsortierten Gedanken anvertraut. Heute morgen, wie ich gerade für meinen Freelancejob am Schreiben war, war da auch so eine Frage in meinem Kopf: wie kann ich über so etwas Banales wie Produktivität schreiben, wenn die wirklich tiefen und wichtigen Dinge in meinem Leben irgendwie rufen? Das ist zum einen die Musik und zum anderen eben solche Dinge, die nicht wirklich irgendetwas „nutzbringendes“ hervorbringen, die mehr mit Sein als mit Tun zu tun haben und für mich doch irgendwie Tiefe und Sinn geben, wo die Seele Raum hat. Im Wald rumstromern zum Beispiel. Wer will schon produktiv sein, wenn es so etwas Wunderbares wie Sonnenschein auf spätsommerlichen Wäldern gibt?

Und prompt geschieht noch etwas, das die Balance in meinem Alltag noch mehr durcheinanderbringt.

Wohnungsunlust

Eimer auf einer Baustelle Bild: sxc.hu Eigentlich ist mit meiner Bude alles in Ordnung. Die Bausubstanz ist für BJ 1903 gut in Schuß, ich habe mich mit der Nordlage angefreundet, Heizung und Warmwasser tun prima (und die 2004 eingebaute Zentralheizung ist recht sparsam), der Vermieter ist fair und wenn etwas ist, reagiert die Hauswärtin gleich. Sogar mit dem Kiez habe ich meinen Frieden gemacht, verkehrstechnisch liegt es prima, Einkaufssituation war zwar schon mal besser, ist aber verkraftbar. Vor allem sind meine Nachbarn absolut und 100% in Ordnung. Wenn mir nicht irgendwas zustößt, was mich dazu bringt, aus Berlin wegzuziehen, will ich da schon bleiben, eine neue Wohnung in Berlin zu finden, ist ja nun nicht unbedingt ein Zuckerschlecken.

Aber: Der Zustand meiner Bude. Gnagnagna.