ryuus Hort

Religion ist keine Ausrede für *istische Kackscheiße.

Achtung: Rant. Ich muß mir da gerade was vom Herzen schreiben.

Im Moment quillt meine Timeline über von Tweets über die Petition Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens (Triggerwarnung: Homophobie und Heterosexismus der übelsten Art).

Hintergrund ist der Aktionsplan „Für Akzeptanz und gleiche Rechte“ in Baden-Württemberg. Bildungspläne werden dabei als Schlüsselfaktor eingeordnet. Auf gut deutsch: es soll einfach Aufklärungsarbeit in den Schulen stattfinden.

Und diese Aufklärungsarbeit wird vom Initiator dieser Petition als Propaganda für eine „Ideologie des Regenbogens“ hingestellt.

Ich lese Tweets wie diese:

und denke mir: Da Fuq? Es ist 2014 und wir schlagen uns immer noch mit diesem Scheiß herum? Menschen können zum Mond fliegen, aber nicht sich gegenseitig einigermaßen anständig behandeln?

Was singe ich da eigentlich? – Teil II

Dieser Text ist die Fortsetzung von „Was singe ich da eigentlich, Teil I„.

Daß ich überhaupt in einem Chor singe, verdanke ich einer Sache, in der sich canta:re von vielen anderen klassischen Chören unterscheidet: Unser Repertoire ist zum allergrößten Teil weltlich.

In anderen Chören habe ich meistens erlebt, daß christliche geistliche Literatur ganz selbstverständlich zum Repertoire gehörte. Nein, ich habe nie in einem Kirchenchor gesungen, daß ich das katholische ordinarium missae auswendig konnte, verdanke ich Schul- und Unichören. Nicht, daß ich etwas gegen geistliche Literatur hätte, aber ich habe ein Problem damit, die Bedeutung der Texte zu ignorieren. Jedem, der mir entgegenhält, daß diese Texte doch nicht so gemeint seien, zumindest in diesem Kontext (Konzerte, Festakte, …), möchte ich nahelegen, die mal durch sakrale Texte einer beliebigen anderen Religion auszutauschen oder auch durch politische Texte. Na? Immer noch sowas, das man genauso unverfänglich singen kann wie „la la la“?
Es ist auch hier das Unhinterfragte, die Selbstverständlichkeit, die dieses „Dazugehören zum Repertoire“ zum Problem für mich macht.

Die Esoterik und ich – Teil I

„Sagmal, du entsprichst ja immer mehr dem Klischee einer Esotante“, sagte sinngemäß ein Freund von mir, als ich bei einem Treffen meine Spindel auspackte und an der Adventureschaf-Wolle weiterspann. Kein Gerät der Astrologie, sondern der Astronomie: Historisches Astrolabium Bild: austinevan / flickr.com Jetzt frage ich mich zwar: Was hat diese archaische Form von Handarbeit mit Esoterik zu tun? Primär nämlich nichts.1 Aber ich fragte mich auch: Bin ich eigentlich eine Esotante? Immerhin wird mein Blog unter dem Begriff „Runenkreis“ ziemlich oft gefunden, und ich habe ja auch mal was mit Runenmotiven gestickt.

Ich kann zu diesem Anwurf nicht ohne weitere Differenzierung ja oder nein sagen, denn: Das hängt sehr davon ab, was man unter dem Begriff „Esoterik“ versteht.

Wenn das Wort fällt, denken viele wohl an langatmig-nebulöse Horoskope, die einem am Jahresbeginn im Grunde erzählen, das nächste Jahr sei ganz toll. Oder auch weniger toll, aber wenn man schlau sei, könne man viel draus lernen. Oder sanftäugige Medien, die einem Botschaften von allen Engeln channeln, die jede noch so apokryphe christliche Schrift hergibt. Oder Mehrwertdienstenummern, wo ich mir für einen stolzen Minutenpreis die Karten legen lassen kann. Wer selbst Hand anlegen will, kann sich in der esoterischen Buchhandlung ein Set von 25 Plastikrunen2, zusammen mit einem kleinen Deutungsbüchlein, kaufen und sich damit selbst Aussagen zusammenwürfeln, die so beliebig sind, daß sie irgendwie immer passen – ganz wie handelsübliche Horoskope in Zeitungen. Garantiert ohne Risiko der schockierenden Begegnung mit archaischen Kulturen und ohne mühsam draußen herumlaufen, Holz suchen und das dann mühsam bearbeiten zu müssen. All das hat eins gemeinsam: Es ist gnadenlos kommerzialisiert.

OK: ich war in den letzten Absätzen ein wenig polemisch. Sehen wir uns doch einmal an, was religionswissenschaftliche Lexika zu diesen Themen sagen.

  1. Spindeln spielen allerdings in einigen Märchen eine magische Rolle. Wäre interessant, dem mal nachzugehen.
  2. eine vollkommen ahistorische Erfindung: die 25., leere Rune wäre, denke ich, den historischen germanischen Stämmen nicht eingefallen, wie überhaupt der Gebrauch von Runen als Orakel nicht belegt ist