ryuus Hort

Was singe ich da eigentlich? – Teil II

Dieser Text ist die Fortsetzung von „Was singe ich da eigentlich, Teil I„.

Daß ich überhaupt in einem Chor singe, verdanke ich einer Sache, in der sich canta:re von vielen anderen klassischen Chören unterscheidet: Unser Repertoire ist zum allergrößten Teil weltlich.

In anderen Chören habe ich meistens erlebt, daß christliche geistliche Literatur ganz selbstverständlich zum Repertoire gehörte. Nein, ich habe nie in einem Kirchenchor gesungen, daß ich das katholische ordinarium missae auswendig konnte, verdanke ich Schul- und Unichören. Nicht, daß ich etwas gegen geistliche Literatur hätte, aber ich habe ein Problem damit, die Bedeutung der Texte zu ignorieren. Jedem, der mir entgegenhält, daß diese Texte doch nicht so gemeint seien, zumindest in diesem Kontext (Konzerte, Festakte, …), möchte ich nahelegen, die mal durch sakrale Texte einer beliebigen anderen Religion auszutauschen oder auch durch politische Texte. Na? Immer noch sowas, das man genauso unverfänglich singen kann wie „la la la“?
Es ist auch hier das Unhinterfragte, die Selbstverständlichkeit, die dieses „Dazugehören zum Repertoire“ zum Problem für mich macht.

Mein Klassik-Repertoire und ich

Am Samstag ist es soweit: Ich habe meine erste Gesangsstunde nach Ewigkeiten ohne Solounterricht! Jetzt überlege ich, welches Repertoire ich meiner künftigen Gesangslehrerin (ich hoffe ja sehr, daß die Chemie stimmt) mitbringe, um ihr meine Stimme vorzustellen. Ein spätes Brahms-Lied in für mich relativ tiefer Lage wird auf jeden Fall dabei sein. Aber ich möchte auch noch ein zweites Stück mitbringen. Es sollte von der Lage her höher sein und auch stilistisch eine ganz andere Epoche. Da habe ich Mozarts „Rosenarie“ (aus „Le Nozze di Figaro“), die mich schon mein ganzes Solo-Sängerinnen-Leben begleitet. Dann habe ich eine koloraturgesättigte Händel-Arie, die aber nicht so richtig sitzt. Die Dowland-Lieder, die ich im letzten Jahr immer mal wieder geübt habe (namentlich „In Darkness let me dwell“ und „Go Nightly Cares“ … hach, seufz) gehen von ihrer Lage eher Richtung Alt. Nun, ich könnte noch in die Bibliothek gehen und schauen, ob ich ein, zwei Dowlands, die etwas höher liegen und die ich kann, noch auf die Schnelle kriege… Und dann habe ich da noch Chorrepertoire, wo ich aber auch erst einmal wühlen müßte nach etwas, das ich gut kann und das zu meiner Stimme nicht so ungnädig ist wie der Bach, den wir da im Moment singen.

Da fällt mir mal wieder auf, welche Probleme ich immer wieder habe, geeignetes Repertoire zu finden.