Ein Audioformat-Rant: Das Dilemma mit aac

tl;dr: Das .aac-Format mag eine tolle Sache sein, meine Freude darüber ist trotzdem nicht ungetrübt.

.aac ist, wenn ich dem Lautsprecher glauben darf, die Zukunft im Podcasting. Das Format kann Kapitelmarken und macht bei gleicher Audioqualität kleinere Dateien. Nachdem die Distel ihren Podcast jetzt auf .aac umgestellt hat, habe ich mir mal so ein paar Gedanken gemacht über das Problem, das ich mit diesem Format habe.

Ganz davon abgesehen, daß es mal wieder ein proprietäres Format ist (als Linuxtante freue ich mich ja immer über offene Standards): Ich habe ein Abspielgeräte-Problem. Mein gar nicht sooo alter und damals auch nicht sooo billiger Sansa Fuze unterstützt nämlich alle möglichen Formate – nur .aac noch nicht.

Warum ist mir das wichtig? Ganz einfach: Manchmal höre ich Podcasts am Rechner. Da ist das egal, VLC kann .aac abspielen und Miro (das ich bis vor ein paar Monaten als Podcatcher verwendet habe) auch.
Mindestens genauso häufig höre ich Podcasts jedoch unterwegs.Theoretisch könnte ich dafür jetzt das Smartphone benutzen. Praktisch steht dem aber die sehr begrenzte Akkulebensdauer des schlauen Telefons entgegen. Gerade auf Reisen gehe ich lieber sehr schonend mit dieser Kapazität um1 – und bin daher um so froher, daß mein mp3-Player eine sehr lange Akkulaufzeit hat. (Ich habe ihn jetzt gute eineinhalb Jahre und habe es noch nie fertiggebracht, daß der Akku leer war.)

Natürlich könnte ich auch noch hergehen und mal gucken, ob es eine alternative Firmware für mein Gerät gibt, die .aac abspielt.
Aber ehrlich: Dafür bin ich nicht wagemutig genug. Das Risiko, am Ende ein Gerät, das vorher tadellos funktioniert hat, unbrauchbar gemacht zu haben und ganz ohne tragbare Beschallung dazustehen, schmeckt mir nicht.

Ich weiß, daß das ganze für Podcaster_innen eine blöde Situation ist. .aac hat geile Features und entlastet durch die kleineren Dateigrößen Serverplatz und Traffic, und dann kommen so ein paar Nicht-Apple-User daher und beschweren sich, daß ihre zwei Jahre alten Geräte halt nur .mp3 können.

Bei der raumzeit ist man, nachdem lautstark die Weiterführung des mp3-Feeds verlangt wurde, dazu übergegangen, zwei Feeds anzubieten – einen mp3-Feed und einen .aac-Feed. Das kann natürlich eine Privatperson mit beschränktem Webspace nicht so ohne weiteres leisten.

Bleibt noch das mit der Dateigröße und das mit den Kapitelmarken. Was die Dateigröße angeht, glaubte ich irgendwann mal gehört zu haben, daß auch .ogg bei ähnlicher Qualität sparsamer mit der Dateigröße ist, aber das müßte ich nachlesen. Zu Kapitelmarken für .mp3 und für .ogg gibt es ein paar Entwicklungen; ob und wann die freilich in welcher Software implementiert werden, steht in den Sternen, und ob die es je in die Firmware auf den Geräten ohne angebissenes Obst schaffen – wir werden sehen. (Oder bin ich fehlinformiert und es gibt schon längst Software, die mp3- oder ogg-Kapitelmarken kann?)

Nun ist das mit .ogg ein ähnliches Dilemma – auch das wird von vielen preiswerten Abspielgeräten nicht unterstützt. Daher werde ich, wenn ich podcaste, erst einmal auf .mp3 setzen, mit allen seinen Einschränkungen – so gerne ich ein freies Format verwenden würde.

Als workaround fürs erste wäre es toll, ein Skript zu haben, das .aac zu .mp3 oder .ogg konvertiert und das auf meinen Player schubst. Muß ich wahrscheinlich selbst schreiben. Oder gibt’s sowas schon?

(Kudos an die Folge 7 vom Lautsprecher, wo die Kapitelmarken-Entwürfe diskutiert wurden.)

  1. insbesondere, wenn ich mit dem Zug von Funkloch zu Funkloch fahre, ist der Akku durch das ständige Netz-Suchen noch schneller alle – Gerät in den Flugmodus schalten kommt z.B. auf Bahnreisen, wo ich evtl. mit jemandem Abholungen abkaspern muß, Verspätungen durchgeben etc., meistens nicht in Frage, gerade *dann* brauche ich die mobile Erreichbarkeit.

8 Kommentare

  1. Conny
    Geschrieben am 8. April 2012 um 19:07 | Permalink

    Da hast Du erichtig gehört, *ogg hat bei gleicher Dateigröße die bessere Quali als *mp3.

  2. Geschrieben am 8. April 2012 um 20:40 | Permalink

    Nicht ganz zum Thema, aber soweit ich weiß können Sansa-Geräte auch OGG abspielen, auch wenn es nicht beworben wird 🙂

  3. ryuu
    Geschrieben am 8. April 2012 um 20:54 | Permalink

    Jepp, das war damals mit kaufentscheidend – ich hab‘ ja erst gedacht, ich muß da erst mal ein Firmwareupdate machen, aber erfreulicherweise wurde mein Gerät schon mit der .ogg-fähigen Firmware ausgeliefert.

    Wenn’s darum geht, welches Format ich für meine Hörer_innen ausliefere, da entsinne ich mich, wie verzweifelt ich nach einem Gerät gesucht habe, das .ogg kann und nicht im dreistelligen Euro-Bereich kostet. Da mag ich Nutzer_innen, die kein Gerät haben, das .ogg kann, keine Steine in den Weg legen.

  4. Distelfliege
    Geschrieben am 8. April 2012 um 23:35 | Permalink

    Das finde ich alles voll verständlich. Ich hatte bis vor kurzem auch einen Mp3 Player (einen iAudio U5 von Cowon) der kein m4a konnte. Ich hatte eh soviele Podcasts abonniert, dass ich die paar, die im AAC Format waren, zuhause gehört habe, und „Unterwegspodcasts“ waren immer die im mp3 Format. Ich glaube, Knitcents (ein Liebling von mir, im AAC Format) hätte ich fürn Urlaub auch mal konvertiert, aber das ergab sich nie, weil ich mit mp3 Podcasts quasi überversorgt bin. g Für Privatpersonen mit eigenem Webspace ist es echt blöd, zwei Feeds zu machen. Statt lediglich den halben Webspace zu benötigen für die gleiche Zahl von Folgen, bräuchte ich dann anderthalb mal soviel Webspace. Kontraproduktiv!

    Der Lautsprecher ist ein spannender Link.. ist mal gebookmarkt!

  5. ryuu
    Geschrieben am 10. April 2012 um 01:38 | Permalink

    Ich finde ja auch Deine Motive für aac 100% legitim. Deshalb ist es für mich ja ein Dilemma, keine Position ist „richtig“ oder „falsch“. Solange es ein, zwei Podcasts sind, die ausschließlich .aac anbieten, ist das für mich auch ok, aber wenn jetzt auf einmal die große Mehrheit darauf umsteigen würde,… tja, dann würde ich mich ärgern.
    Daß das Motiv für Dich vor allem der Speicherplatz ist, ist schon bei mir angekommen, und vollkommen klar, zwei Dateiformate vorzuhalten, würde das ad absurdum führen.

    Die Einschränkung, daß eine Privatperson das nicht ohne weiteres leisten kann, verdankst Du meiner Vorsicht – ich kann mir vorstellen, daß es Nerds gibt, die das auch für private Projekte täten – was jetzt ganz ausdrücklich keine Kritik an alle ist, die’s nicht tun. (Und hinter Raumzeit stehen eh Institutionen, die so ein paar GB Hostingkosten nicht mal in der Portokasse merken würden.)

  6. Geschrieben am 10. April 2012 um 20:46 | Permalink

    Angeregt auch durch Distels Beitrag:

    Sach ma, wie sieht es eigentlich an der Front des freien Hostings für Audiodateien aus? Also ein Youtube/flickr für Podcaster?

    Ich meine, dass das irgendwie ähnlich gut funktionieren könnte wie eben mit Videos. Eigentlich könnte Google das mitstemmen.

    Bevor ich da selbst erst recherchiere, kann mir sicher jemand hier Auskunft geben. (Vorerst interessehalber, podcasting habe ich bisher auch noch nie durchgezogen.)

  7. ryuu
    Geschrieben am 10. April 2012 um 22:03 | Permalink

    Freies Podcast-Hosting – hmm, mir fällt nur Soundcloud ein, wo der kostenlose Account mit ein paar Podcastepisoden im Monat schnell erschöpft ist. Generell ist Soundcloud ja auch eher für Musiker_innen eingerichtet.

    Aber mal sehen, was Podlove noch alles hervorbringt.

  8. Geschrieben am 17. April 2012 um 22:31 | Permalink

    Kenne das Problem und hatte es auch schon mehrfach das mein MP3 Player/Smartphone entweder *ogg oder *acc. nicht konnte. Irgendwas ging nie. Richtig lustig war es, als itunes noch mp4 mit Kopierschutz hatte und nur mein iPod die Musik abspielen konnte. Ansich mag ich *ogg auch lieber, das fängt schon mit der Sympathie an, bei MP3 bin ich mir dann aber letztendlich doch sicherer dass auch wirklich alles damit läuft.